ndende Jahr, mit 4307 Millionen Dollars Wert,
eine Verdreifachung der Einfuhr Europas aus den
Vereinigten Staaten gegenüber der Friedenszeit auf.
Es war klar, daß, wenn nicht mit staatlichen Mit—
teln eingegriffen wurde, die Anforderungen an den
imerikanischen Markt und damit die Preise sich
ins Ungemessene steigern würden.
2. Die Frage der Brotgetreideversor—
gung zur Zeit des Eintritts der Ver—
einigten Staaten in den Krieg.
Zur Zeit des Eintritts der Vereinigten Staaten
n den Krieg befand sich der spätere Handelsminister
herbert Hoover in Europa, um die Lage der
Alliierten, insbesondere auf dem Gebiet der Roh—
toff⸗- und Nahrungsmittelversorgung, zu studieren.
Der Anfang mit der Nahrungsmittelkontrolle in den
Vereinigten Staaten wurde an dem Tag gemacht,
der dem Eintritt in den Krieg folgte, als der
„Oounbil of National Defense“ in einem Telegramm
an Hoover diesen bat, sein Ratgeber für das
Nahrungsmittel- und Preisproblem zu werden.
Hoover traf am 3. Mai 1917 in New NYork ein
und richtete am folgenden Tage in einem Hotel in
Washington eine Dienststelle mit einem Steno—
graphen ein, aus der in kürzester Zeit die Food
Administration hervorwuchs, die zur Zeit der Er—
lassung der Food Control Act am 10. August 1917
hereits einen Beamtenstab von 450 Personen auf—
vies. Ohne besondere gesetzliche Ermächtigung hatte
der Präsident am 17. Mai 1917 Hoover zum
ood Administrator ernannt. Hoover legte in
derschiedenen Kundgebungen der Offentlichkeit seine
Auffassung von der Lage ohne Schönfärberei dar.
Die Lage auf dem Gebiet der Brotgetreideversor—
jung war danach verzweifelt. Hoo ver hatte von
Furopa die Überzeugung mit nach Hause gebracht,
daß die Alliierten mehr noch Nahrungsmittel als
Menschen notwendig hätten und daß die Knappheit
in Schiffsraum es notwendig machte, daß die Nah—
rungsmittel in großem Maßstab von Nordamerika
geliefert würden, da die Heranholung der gleichen
Menge von Australien oder Argentinien zwei-— bis
dreimal soviel Tonnage in Anspruch genommen
haben würde. Mit sibirischem und russischem Brot—
getreide war seit Versperrung der Dardanellen nicht
zu rechnen.
Die Länder der westeuropäischen Alliierten, Eng—
and, Frankreich, Italien und Belgien, hatten in
Friedenszeiten einen jährlichen Bedarf von 900 Mil—
lionen Bushels (8S 244000 000 42) an Weizen, von
denen in der Regel 550 Millionen Bushels (S rund
149 Millionen Soppelzentner) durch Einfuhr gedeckt
vurden, und zwar 100 Millionen Bushels (
27 Millionen Doppelzentner) durch Lieferung aus
den Vereinigten Staaten und 450 Millionen Bushels
— 122 Millionen Doppelzentner) aus anderen
Ländern. Die Vereinigten Staaten erzeugen in nor—
malen Zeiten 800 Millionen Bushels (S 217 Mil—
lionen Doppelzentner) Weizen im Jahr. Der nor—
nale Inlandsverbrauch liegt nahe bei 646 Millionen
Bushels (8175 Millionen Doppelzentner), so daß
der Nachfrage Europas gewöhnlich reichlich ent—
sprochen werden konnte. Die Ernteschätzung zur
Zeit des Kriegsausbruches lautete auf 635 Mil—
ionen Bushels (8 172,8 Millionen Doppelzentner).
s8 bestand deshalb keine Aussicht, mit der Ernte
917 auch nur den eigenen Inlandsbedarf zu decken.
Tatsächlich war die 1917 eingebrachte Weizenernte
die schlechteste, die die Vereinigten Staaten seit 1911
gehabt hatten. Hoover legte dar, daß sich die
Alliierten bereits auf gekürzter Ration befanden,
daß sie im nächsten Jahr über ihre eigene Ernte
sinaus 500 Millionen Bushels Weizen (S 135 Mil—
ionen Doppelzentner) und annähernd 1000 Mil—
ionen Bushels (*5 270 Millionen Doppelzentner)
ßetreide überhaupt unbedingt notwendig hätten. Die
3pekulation hatte sich der Lage bereits bemächtigt.
Ddie kommende Ernte war in großem Umfang durch
kerminkäufe für die alliierten Regierungen in Be—
hlag genommen.
Die Abneigung der Regierung gegenüber der Er—
assung von Preisvorschriften und das öffentliche Vor—
irteil gegen Regierungspreiskontrolle konnten einer
olchen Lage gegenüber kein Hindernis für einen Ein—
griff mehr bilden. Das zu verfolgende Programm
var Steigerung der Erzeugung und Stabilisierung
»er Preise. Ohne besondere gesetzliche Vollmachten
„urde die Lösung zunächst im Wege von Verhand—
ingen mit den beteiligten Handelskreisen versucht.
)ie Börsennotierung für Weizen Nr. 1 Northern
3pring in Chicago war 1,58 8 per Bushel im Monat
Närz und 2,58 8 im Juli mit dazwischenliegenden
Zteigerungen. Tatsächlich waren im Terminhandel
Wschlüsse zu bedeutend höheren Preisen gemacht
orden. Durch Bekanntmachung des Board of
rade in Chicago vom 11. Mai 1917 wurde das
rieferungsgeschäͤst auf Maiweizen verboten und die
bwicklung aller ausstehenden, Kontrakte zu dem
Zatz von 3,is ß für den Bushel erzwungen. Der
ur Unterstützung der nationalen Verteidigung er—
ichtete Ausschuß der Getreidebörsen unterbreitete
»oover einen Plan für eine Nahrungsmittel—
ontrolle, nach dem die Regierung jede Bewegung
on Nahrungsmitteln überwachen, einen Preis für
Veizen festsetzen und diesen Preis für die Dauer
es ganzen Erntejahres ohne Anderung aufrecht—
rhalten sollte. Die Grundsätze, zu denen sich
oover bekannte, waren
1. Kontrolle der Ausfuhr,
2. Maßnahmen, um die Spekulation zu über—
wachen oder ganz zu beseitigen,
Mobilisierung von freiwilligen Helfern zur
UÜberwachung der Getreidepreise und zur För—
derung der Ersparung im inländischen Ver—
brauch,
Dezentralisierung der Nahrungsmittelkontrolle
durch Übertragung von möglichst weitgehenden
Vollmachten an die bei den Regierungen der
Einzelstaaten einzurichtenden Nahrungsmittel—
kontrollämter
3
Er bannte die Panik mit dem Schlagwort, das er
zusgab: „Pat Plenty, wisely, without. waste“
Eßt tüchtig, mit Verstand, ohne Verschwendung).
Zeine Politik ging nicht auf eine absolute Preisfest—
etzung. Die Grenze für die Preisbewegung sollte
»er Grundsatz sein „reasonable margin of profit“
Gewinn innerhalb vernünftiger Grenzen). Diese