VI. Das Erwachen einer Kulturkritik
"ICHT so weit ausgebreitet sind die Erfolge einer anderen
geistigen Umstellung, die der im Wirtschaftsleben
sich vollziehenden parallel geht, die aber doch nicht
minder bedeutungsvoll ist. Man fängt leise an, in der Beurtei-Jung
der eigenen Gesamtkultur etwas skeptischer zu werden, an
ihrer unvergleichlich geglaubten Herrlichkeit zu zweifeln und
zu empfinden, daß das um seiner Rückständigkeit bemitleidete
Europa Werte besitzt, für die man in Amerika nicht einmal
ein Verständnis aufbringt. Es wird immer einzelne gegeben
haben, die die Überzeugung von der Vortrefflichkeit alles
Amerikanischen nicht geteilt haben, aber daß sich diese Stimmen
jetzt herauswagen und daß sie bereits einen Widerhall
finden, das ist das Neue an dieser Bewegung. Sie besteht in
einer Selbstkritik, die auch nicht davor zurückschreckt, einen
Kampf gegen bisher unumschränkt herrschende Anschauungen
aufzunehmen und gegen die Ideale der Masse zu protestieren.
Die Männer, die es sich zur Lebensaufgabe gesetzt
haben, diesen Kampf zu führen, neue Gegenstände und neue
Formen zu suchen, und die aus den verschiedensten Geistessphären
stammen, sind zwar noch gering an Zahl, aber es