Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

54 Der Reiche 
mammonistische Gesinnung kund, die, um ein bissiges Wort 
Fontanes zu nehmen, sagt: „Er ist zwar ein Esel, aber sein 
Vater hat ein Eckhaus.‘“ Man betet nicht die Dollars um ihrer 
selbst willen oder wegen der in ihnen liegenden Genußmög- 
lichkeiten an, sondern man bewundert die Energie, mit der sie 
zusammengebracht wurden. Sie sind ein Spiegelbild der 
„Tüchtigkeit‘“ ihres Erwerbers, sie kündigen den Mann des Er- 
folges an, den Mann mit der eisernen Willenskraft, dem Mut, 
der Geschicklichkeit, der aus einem Kampfe als Sieger hervor- 
gegangen ist; sie sind das Symbol für die Macht des Leiters 
eines Bankunternehmens, einer Eisenbahngesellschaft, eines 
Industriekonzerns, unter dessen Zepter Tausende leben '— 
Tausende, denen die gleichen Möglichkeiten offen standen, 
denen aber der Erfolg versagt war. Der nur durch Erbschaft 
Reiche wird, falls er keinerlei Wirksamkeit entfaltet, weit 
weniger estimiert und vermag auch nur in geringem Maße den 
Blick auf sich zu lenken #1, Jene dagegen sind die Vollender des 
allgemeinen Ideals, und hierin liegt ihre große Bedeutung 
für die Gesamtkultur ihres Landes, obwohl sie selbst an ihr 
nur wenig teilnehmen. Sie sind das Vorbild und Muster, dem 
alles nachstrebt, sie stempeln die Dinge auf gut und böse, auf 
recht und unrecht, und ihre Wertungen wiegen um so 
schwerer, als sie von der Menge nicht durch einen Abgrund, 
sondern nur durch einen, wenn auch steilen Anstieg getrennt 
sind. Was sie sagen, wird von der Masse als Offenbarung ge- 
nommen, „eine Summe von Plattheiten aus ihrem Munde be- 
staunt man wie ein Blatt aus den Sibyllinischen Büchern“ 82,
	        
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