Full text : Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

86 Die neue Einwanderung
jetzt 11% unter ihren Bewohnern, die der englischen Sprache
nicht mächtig sind, so daß z. B. in vielen Fabriken alle die
Arbeiter betreffende Mitteilungen in mehreren Sprachen 'abgefaßt
 sein müssen. „Aber nur der ist ein guter Amerikaner,
der ein Amerikaner ist, und sonst nichts anderes‘ 119, und
man begann, in den im Ausland Geborenen Menschen niederer
Sorte zu sehen, die man je nach ihrer Nationalität mit herabsetzenden
 Spitznamen belegt; man zog zwischen ihnen und
dem übrigen Volke einen Trennungsstrich, so daß etwa die
Nachricht von einem Bergwerksunglück in einer Pittsburger
Zeitung in der Form gemeldet werden kann: „400 Bergleute
getötet, 15 Amerikaner.“ 120 Es erwuchs jenen eine heftige
Gegnerschaft, die gerade in den Kreisen der Arbeiter ein lebhaftes
 Echo fand, die hier nur Lohndrücker sehen mußten,
wenn sie es auch als eine Erleichterung empfanden, daß man
den „foreignborns“ die grobe Arbeit aufbürden konnte. Über
die Frage der Amerikanisierung, die man mit allen nur denkbaren
 Mitteln zu fördern sich abmüht, entstand eine Literatur
von riesigem Umfang, und man übertreibt kaum, wenn man
sagt, daß dieses Problem die Bewohner der Vereinigten Staaten
seit einiger Zeit so lebhaft bewegt, wie einstmals die Negerfrage.
 Gerade das Wirtschaftsleben ist an der Herstellung
einer möglichst weitgehenden Gleichförmigkeit sehr stark
interessiert, um sich den Absatz standardisierter Produkte so
leicht wie möglich zu machen; „Sie können alle Farben haben,
vorausgesetzt, daß Sie schwarz wählen‘, diesem Fordschen
Grundsatz möchte man für alle Waren Geltung verschaffen.
            
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