Full text: Kritische Studien zum wirtschaftlichen Problem des Zwei- und Dreischichtensystems in Hochofenbetrieben

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während eine längere Arbeitszeit nur eine geringere An- 
spannung der Arbeitskraft gestattet. Diese Möglichkeit 
wird ferner meist Notwendigkeit, da aus Gründen des Aus- 
gleichs der finanziellen Belastung infolge der Neuregelung 
eine volle Ausnutzung der Leistungsfähigkeit des Einzelnen 
geboten ist, die zur Einsparung von Arbeitern drängt, etwa 
in der Weise, daß die Funktionen von drei Arbeitern jetzt 
von zweien ausgeführt werden. So war die Betriebsleitung 
des untersuchten Hochofenbetriebes, als sie im Frühjahr 
1925 vor die Notwendigkeit des Übergangs zum Drei- 
schichtensystem gestellt wurde, bestrebt, mit einer gleich 
starken Belegschaft auch bei verkürzter Arbeitszeit aus- 
zukommen. 
Nach dem Schema, das jenes Geflecht von Ursachen 
und Wirkungen der Arbeitsbedingungen darstellte (vgl. 
S. 52), wird deutlich, wie der Arbeitswille vom Ernährungs- 
und Ermüdungszustand beeinflußt wird und dieser wiederum 
von den Lohnverhältnissen abhängig ist. In Rücksicht auf 
diese Zusammenhänge war die Betriebsleitung auch gewillt, 
durch höhere Lohnsätze die Möglichkeit zu stärkeren 
Leistungsanforderungen noch zu unterstützen und im Wege 
technisch vernünftiger Betriebsführung zu einer Einsparung 
von Arbeitern zu gelangen. Es würde gleichfalls über den 
Rahmen unseres Themas hinausführen, die Prinzipien solcher 
rationellen Betriebsführung im einzelnen zu entwickeln, 
die etwa im Hochofenbetriebe für die Gestaltung des Ar- 
beitsvollzuges zur Anwendung kommen könnten. Es sei 
hier nur auf die Darstellung des Tatbestandes der „Arbeit“ 
im Hochofenbetriebe verwiesen, deren betriebsgemäße Auf- 
fassung anläßlich der Kritik der Zeitstudien bereits als 
Voraussetzung für diese Art der Betriebsführung gekenn- 
zeichnet wurde (siehe S. 17 ff.).
	        
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