Object: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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„Was uns Abolitionisten betrifft, so denke ich, daß wir unserer 
Arbeit und unseren Zielen eine breitere Basis der Auslegung ein 
räumen müssen. Das Objekt, das uns zusammenhält, ist seiner 
Natur nach vernichtend, nicht aufbauend. Es mag sein, daß die 
Aera unserer vollkommenen Uebereinstimmung dort endet; auf der 
positiven Seite der Frage sind viele Meinungsverschiedenheilen unter 
uns in einzelnen Punkten im kleinen und auch in einigen Prin 
zipien . . . Wie dem auch sein mag, wir müssen einsehen, daß die 
Abschaffung der Reglementierung nicht genügt." 
Die abolitionistische Bewegung Deutschlands — das bewiesen 
die sozial gestimmten Reden der deutschen Vertreterinnen des 
Abolitionismus auf dem Dresdener Kongresse (1904) — ist nun 
auf dem besten Wege, dem bisher inhaltsleeren abolitionistischen 
Programm eine neue soziale Füllung zu geben; und diese Füllung 
wird sie durchweg der sozial schöpferischen Tätigkeit des Sozialismus 
entnehmen müssen. 
JSf 
5. Kapitel. 
Krankenkasseneinrkfysungen zur unentgeltlichen Behandlung 
venerischer. 
Wir werden die Prostitution als soziale Klasscnerscheinung nicht 
in einigen Dezennien aus dem sozialen Organismus ausmerzen 
können. Sie hängt eben auf das innigste mit dem Bestand der 
sozialen Klassen zusammen. Aber wir können dem menschen 
mörderischen Ungeheuer der Prostitution wenigstens einen Gift 
zahn ziehen. 
' Die schreckliche Gefahr der wachsenden venerischen Verseuchung 
der Gesellschaft durch die Prostitution steht greifbar vor unseren 
Augen. Wie gebieten wir dieser Verseuchung Einhalt! 
Die beredten Anwälte der staatlich kontrollierten Prostitution 
rufen uns sofort das große Zauberwort: „Mehr Reglementierung 
der Prostitution" zu. Meterlange Dirnenlisten und alltägliche 
Untersuchungen der Prostituierten, mehr Sittenschutzleute und mehr 
Sanitätsbeamte, mehr Bordelle Und mehr Bordellstraßen, damit die 
Prostitution sorgfältiger überwacht werden kann! Ja, vor allen 
Dingen mehr Zwang! 
Nun wohl, es lastet wohl gerade genug Zwang auf den heutigen 
kontrollierten Dirnen! Sie werden den Schutzmann eigentlich nie 
recht los. Er steht unter Umständen des Nachts bor ihren Kammer 
türen und heischt im Namen des Gesetzes Einlaß. Und bei allem 
Zwange führt die heutige Rcglementation der Prostitution nur 
eine kleine Gruppe von Prostituierten der Heilbehandlung zu, sie
	        
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