Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

seine kurzen Erwiderungen und scheinbare Unauf- 
merksamkeit verletzt fühlten, fanden auch, daß er 
ihnen trotzdem gab, was sie wünschten, und oft mehr. 
Eines Tages suchte ihn ein Arzt auf, der einen Plan 
ausgearbeitet hatte, um für arme, ihrer Entbindung 
entgegensehende Frauen zu sorgen. Morgan schien 
den Erklärungen des Arztes ungeduldig zuzuhören, er 
stellte nur eine oder zwei brüske Fragen. Dann sagte 
er: „Bringen Sie mir Pläne für ein passendes Gebäude 
und einen Kostenanschlag für die Finanzierung. Ich 
werde das Geld besorgen, In 5 Minuten war alles 
vorbei, und gerade als der Besucher meinte, Morgan 
werde ihn mit einem kurzen „Nein entlassen, wurde 
seine Bitte, die eine Ausgabe von 1'/s Millionen Dollar 
erforderte, gewährt. 
Der Bürgermeister William R. Grace von New 
York begann sich nach Ablauf seiner ersten Amts- 
periode sehr für Philanthropie zu interessieren, und 
machte es sich zur Aufgabe, selbst Geld für diese 
Zwecke zusammenzubringen. Er suchte zu diesem 
Zweck auch Morgan auf, und das um so lieber, als er 
sich erinnerte, daß Morgan einer der wenigen großen 
Geschäftsleute in New York gewesen war, die ihn 
während seiner Amtszeit niemals um eine Begünsti- 
gung für sich oder für ihre Firmen angegangen hatten. 
Grace legte Morgan den Zweck seines Besuches dar. 
Morgan antwortete so kurz und knapp, daß der Be- 
sucher sich verletzt fühlte. Er stand. ohne ein Wort 
zu sagen, auf. 
„Wo wollen Sie hin?‘ fragte Morgan. 
„Fort. Ich muß Sie um Verzeihung bitten, daß ich 
Sie mit dieser Angelegenheit belästigt habe.” 
„Warten Sie noch einen Augenblick“, sagte Mor- 
gan. Er nahm seine Feder, schrieb etwas und händigte 
es Grace aus, indem er sagte: ‚Da, nehmen Sie das. 
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