Metadata: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

”  menpacken genähter Partien, zum Teil verstrich sie mit Essen, Sprechen, 
Austreten und anderem mehr. Bei den Schülerinnen verschob sich dieses 
"- Verhältnis zuungunsten der eigentlichen Arbeit noch erheblich mehr, 
"wenn man ihnen dafür Spielraum ließ. Bei älteren, sehr gut qualifizier- 
ne ten Arbeiterinnen reduzierte sich der objektive unproduktive Zeitver- 
'l. brauch auf ungefähr % bis günstigenfalls auf % der Gesamtarbeitszeit. 
8 Nichts wäre verfehlter, als diese vielfach sog. «tote Zeit» völlig ausmerzen 
zu wollen bezw. auf das Minimum des mit der Stoppuhr als unentbehrlich 
d Festgestellten reduzieren zu wollen. Nicht nur gibt es an der Maschine 
N” und auch am Material immer wieder Unvorhergesehenes, das nicht exakt 
)” in Rechnung gestellt werden kann, sondern es darf nie vergessen wer- 
N den, daß der Mensch eben ein organisches Wesen ist mit der Eigenart, 
2 Ermüdungseinflüssen unterworfen zu sein und mit gelegentlichen Ab- 
. lenkungsbedürfnissen. Bei den Schülerinnen kommen noch die aus dem 
frühern Alltag mitgebrachten «unrationellen» Gewöhnungen hinzu. — 
a Wollte man diese plötzlich abstellen, so würde die ganze Erziehung zur 
. Arbeit auf ein unnatürliches Zwangssystem hinauslaufen, gegen das aus 
3 Psychologischen und physiologischen Gründen die schwersten Bedenken 
2 erhoben werden müßten. Dagegen ist wichtig, daß von Anfang an dera 
7 Neuling gute Arbeitsgewöhnungen anerzogen werden. Dazu gehört auch 
der haushälterische Umgang mit der Zeit, die nicht mit der eigentlichen 
i Maschinenarbeit verbracht wird. 
Die zweiten Verbesserungen der Instruktion. 
„. Nach ungefähr einem halben Jahr wurde die Instruktion für die 
Nähschule am 10. März 1916 unter Verwertung der bis dahin gemachten 
Erfahrungen noch etwas verbessert. In die eben besprochene Wieder- 
holung der Schablonenarbeit mit optimaler Geschwindigkeit wurden im 
Neuen‘ Schema jedesmal nach dem Erlernen der elementaren Bewegun- 
N geeignete praktische Anwendungen eingeschoben, bei denen die 
<Mentaren Nähbewegungen zur Anwendung gelangten und zugleich 
Weitergeübt werden konnten. 
"u verbesserte Instruktion bot den Anfängerinnen mehr Ab- 
dn Slung. Ihr Interesse wird wachgehalten, die Konzentration wird da- 
; "ch angeregt; so daß die Instruktion rascher fortschreiten kann. 
ran Disposition ist ein Mittelweg zwischen der rein empirischen 
läßt $, wo man den Lehrling nur an praktischen Ausführungen üben 
Öege und dem theoretisch-schematischen Weg, der an nichtssagenden 
„, S°Nständen zuerst alle Grundoperationen bis zur Automatisierung ein- 
üben läßt. 
OhaU Mensch ist ein denkendes Wesen, auch wenn er sehr oft, be- 
tler Wenn sich bei ihm eine Gewohnheit ausgebildet hat, lieber auto- 
mn Sch Weiterarbeitet, als von seinem Denkvermögen großen Gebrauch 
Machen. Beim Aneignen neuer Kenntnisse und Gewöhnungen kommt 
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