Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

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11. Der Markt von Lübeck 
nach. Vereinigung von Verkaufs-, Arbeits- und Wohnstätte führte andrer- 
seits zahlreiche. Handwerker vom Markt fort, so z. B. die Waffenhandwerker 
und Kleinschmiede in die Gegend hinter St. Petri—Schmiedestraße; der bei 
ihnen direkt „marktfeindlich‘“ wirkende Satz: „Vortmer scal nen man thu 
dessem ambete mer woninge upholden, wen ene hus eder boden‘‘, fand 
Eingang in die Rollen der Plattenschläger und Harnischmacher!®), Stärker 
als Erwägungen andrer Art war in den Kreisen der Händler und Gewerbe- 
treibenden selbst damals der Wunsch, Geschäft und Familie beisammen zu 
haben; nachdem einmal die Kunden sich daran gewöhnt hatten, auch in den 
Straßen zu kaufen, war eine wirtschaftliche Schädigung dabei nicht mehr 
zu befürchten. Dazu kam die Leichtigkeit, mit der mehrere Nachbarbuden 
von den alten Familien zu erhalten waren, diesem Wunsche nur entgegen. 
Denn trotz des hochwertigen Besitzes an Marktbuden und anderen, besonders 
qualifizierten Liegenschaften in der Stadt und ihrer Umgebung empfanden die 
alten Lübecker Familien um die Jahrhundertwende so wenig die von Sombart*®) 
behauptete ‚‚Geldplethora‘, daß sie froh waren, wenn es ihnen mit Hilfe 
ihres Grundbesitzes gelang, sich durch Aufnahme von Renten zunächst ein- 
mal zu behaupten. Weniger glücklichen unter ihnen, wie den Stalbuks, blieb 
aber nichts anderes übrig, als allen Grundbesitz zu verkaufen. Andrerseits 
erfreuten sich die Handwerker des ausgehenden 13. Jahrhunderts eines zum 
Teil recht bedeutenden Wohlstandes, der sich im Besitz oft mehrerer Häuser 
und zahlreicher Renten ausdrückt!”).. Also Angebot an Marktbuden bei 
zahlreichen alten Familien, Nachfrage nach ihnen bei Krämern und Hand- 
werkern. Die alten Familien nutzten diese Lage insofern aus, als sie dazu 
geeignete Grundstücke in der Nähe des Marktes zu Buden einrichteten und 
an Handwerker vermieteten und verkauften. So namentlich am Eingang der 
Holstenstraße; so auch.an der Ecke Kohlmarkt—Sandstraße!®®), Die Nach: 
wirkung dieses allmählichen Ausgleichs von Markt und Straßen auch auf 
den‘ offenen Markt blieb nicht aus: der Trieb der Handwerker, die keine 
festen Buden mehr hatten erhalten können, zum offenen Markt zu ziehen 
und dort ihre Waren auszubieten, ließ nach; sie.beschränkten sich auf den 
Verkauf aus ihren Häusern?!®), Auch die städtischen Marktbaulichkeiten, 
soweit ihre Benutzung nicht durch den Marktzwang sichergestellt war, vers 
loren an Bedeutung; im.16. Jahrhundert dienten die Blocks XII und XX 
als Wohnungen für Leute, denen der Rat eine anerkennende Versorgung vet 
schaffen wollte; solche erhielten in ihnen Wohnungen ‚auf Lebenszeit .an- 
gewiesen: Genau so ging es im 17. Jahrhundert, als die Bäcker vom Markt- 
zwang entbunden waren, mit Block XIII; nur daß hier die Bäcker über diese 
Gnadenwohnungen. zu verfügen hatten. Über den kümmerlichen Zustand der 
Verkaufsstellen des Blocks XV in späterer Zeit habe ich an anderer Stelle be- 
richtet!®%). Der Markt als Sitz des wirtschaftlichen Lebens verödete.
	        
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