de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich.
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Allgemeine Volkswirtschaftslehre
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gewinnen,“ schreibt Landry, „dürfen wir uns nicht darauf be
schränken zu untersuchen, ob die Einführung der sozialistischen
Ordnung oder die Erhaltung der gegenwärtigen wünschenswert
ist. Wir müssen vielmehr danach fragen, welche Wirksamkeit
unser Handeln haben wird, je nachdem wir ihm die eine oder die
andere Richtung geben. Es scheint nun, daß wir — nicht durch
die Macht der Dinge, sondern durch den Willen der Menschen
— uns zu der sozialistischen Wirtschaftsordnung hinbewegen.
Die Ungleichheit wächst, die Zahl derer, die an dem Aufkommen
des Sozialismus Interesse haben oder zu haben glauben, wird
täglich größer ; die Ausbreitung sozialistischer Ideen in den
unteren Klassen wird durch die Verbreitung der Bildung ge
fördert. Selbst bei den Bevorzugten der heutigen Ordnung —
soweit sie der Uneigennützigkeit fähig sind — kommt dem
Sozialismus zugute, daß sie mehr und mehr das Bedürfnis emp
finden, die Herrschaft des Geistes auf sozialem Gebiete ebenso
sehr als auf dem des Naturgeschehens zur Geltung zu bringen,
indem man eine rationelle Wirtschaftsorganisation an die Stelle
derjenigen setzt, welche zum großen Teile das Resultat geschicht
licher Zufälligkeiten ist. Der Umstand, daß die sozialistischen
Ideen um sich greifen, ist zwar kein unmittelbarer Grund, um
sie anzunehmen. Wenn man aber die Überzeugung gewinnen
sollte, daß ihnen beschießen ist zu siegen, dann müßte auch
der, welcher die Erhaltung der gegenwärtigen Ordnung lieber
sähe, sich fragen, ob er nicht besser täte, anstatt fruchtlose Be
mühungen auf jene Erhaltung zu verwenden, an der Klärung
und Richtigstellung der bei den Sozialisten Kurs habenden An
schauungen mitzuwirken, an der intellektuellen und sittlichen
Hebung der Massen mitzuarbeiten und so dazu beizutragen, daß
das Aufkommen des Sozialismus unter möglichst günstigen Be
dingungen sich verwirkliche“ x ).
In diesem Schlußpassus Landrys kommt der Schüler von
Oh. Andler zur Geltung; es sind dieselben Gesichtspunkte,
welche dreißig Jahrgänge von Normaliens — Schüler Andlers
— in die philosophischen Fakultäten und Lyzeen Frankreichs
hinausgetragen haben.
i) ibid. p. 812—818.