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Dritter Teil.
Austria, Gaston d’Orleöans, der Marschall Moritz von Sachsen,
Vendöme, waren entweder Kinder, oder doch Enkelkinder der
freien Liebe, und so ebenfalls die Pompadour und die Zarin
Anna von Rußland. Die Klugheit, die die Bastarde aus-
zeichnet, wird (und vielleicht nicht ganz mit Unrecht) gewissen
Elementen der Überlegenheit unehelicher über eheliche Zeu-
gung zugeschrieben. Die natürlichen Kinder, oder wie sie der
Volksmund nennt, die Kinder der Liebe, sind Geschöpfe einer
natürlichen Wahlverwandtschaft der Eltern und entstehen sehr
oft in sexueller Wohllust zweier junger Körper. Dagegen
werden die legitimen Kinder der in der Kirche gesegneten und
zivilamtlich registrierten Ehen, bei deren Zustandekommen
die Liebe, wenn sie nicht überhaupt gar fehlte, so doch
wenigstens sehr oft nur die letzte Stelle einnahm, häufig von
einem alternden Manne und einer grießgrämigen und indo-
lenten Frau zwischen Langeweile und Gähnen gezeugt. So ist es
denn nicht verwunderlich, daß die Frucht der ersteren Liebes-
art die der zweiten an Schönheit und Entwicklungsfähigkeit
übertrifft11?7, Auch ein Teil der legitimierten Kinder dürfte
ohne Zweifel zu den wertvollsten Kulturträgern eines Volkes
gehören. „Ist es doch gerade sehr oft die starke geniale Persön-
lichkeit, die sich durch die Institution der Ehe in ihrer Ent-
wicklung gehemmt und zur Heuchelei verurteilt sieht und sich
deshalb erst spät zu einer Legalisierung der Ehe entschließt.
Wir wissen heute noch wenig von den unehelich gezeugten
Nachkommen dieser Menschen; denn auch innerhalb der Fami-
lien- und Stammbaumforschung ist die Gliederung der Nach-
17 „Gewiß gibt es unter den Unehelichen physisch und psychisch Ent-
artete, aber nicht mehr als unter den Ehelichen. Dagegen ist die Lebens-
kraft bei den Unehelichen, da sie meist aus innigem Liebesverkehr hervor-
gehen und ihre Eltern in der Blüte der Jahre stehen, durchweg robuster
als bei den Ehelichen.“ (Otto Rühle, Das proletarische Kind, München
1911, Langen, S. 68.)