Full text: Deutschlands Auslandsanleihen

Deutschlands Auslandsanleihen, 
Die kommunalen Auslandsanleihen. 
In der ersten Periode, die sich ungefähr mit dem Jahre 1925 
deckt, wurden fast nur Einzelanleihen von Städten aufgenommen, 
während in der zweiten Periode, im Jahre 1926, mit wenig Aus- 
nahmen nur kommunale Sammelanleihen in Betracht kommen, die 
auch den kleineren, als solche im Auslande nicht kreditfähigen 
Städten und Gemeinden ausländische Kapitalien zuführten. 
Die Einzelanleihen sind in nachstehender Tab, 5 zusammen- 
gestellt *). Unter ihnen befinden sich Teilbeträge von Inlands- 
anleihen der Städte Bonn und Emden, die ohne Befürwortung der 
Beratungsstelle in Holland aufgelegt worden sind. Desgleichen ist 
die Anleihe der Allgemeinen Ortskrankenkasse Altona ohne Be- 
fürwortung der Beratungsstelle in Holland aufgelegt, obwohl die 
Stadt Altona gesetzlich für alle Verbindlichkeiten der Orts- 
krankenkasse haftet, 
Berlins erste Anleihe von 15 Mill. $ wurde von 
Speyer & Co, Blair & Co und von der Equitable Trust Company 
übernommen, und zwar zunächst nur eine Hälfte mit Optionsrecht 
auf die zweite Hälfte. Da das Zeichnungsergebnis sehr günstig 
ausfiel, übernahm das Konsortium sofort 10,5 Mill. $. Auf die 
restlichen 4,5 Mill. $ übte es das Optionsrecht in der Zeit vom 
12. bis 22. Oktober 1925 aus. Eine neue Auflegung erfolgte aber 
nicht, sondern der Rest wurde freihändig untergebracht oder an 
der Neuyorker Börse verkauft; der Ausgabekurs lag nicht über 
89%. Die Tilgung erfolgt in kumulativer Weise durch Ankauf 
bis zu pari oder Auslosung zu pari. Für Verzinsung und Tilgung 
werden (Mitt. des Magistrats Berlin) jährlich zweimal 622125 $ 
gezahlt. Da diese Summe etwas höher ist als die mathematisch 
errechnete Annuität, so beträgt die im Jahre 1950 zu zahlende 
letzte Halbjahresannuität nur noch rund 378 000 $. Eine vorzei- 
tige Kündigung kann für den ganzen noch ausstehenden Betrag 
oder einen Teil mit sechsmonatiger Voranzeige zum 1. April 1930 
und jedem späteren Zinstermin zu pari stattfinden, Der Erlös der 
Anleihe sollte für die Erweiterung und Verbesserung der Elektrizi- 
tätswerke und den Ausbau des Untergrundbahnnetzes dienen. 
Anfang Juli 1927 nahm Berlin eine zweite Anleihe 
auf, diesmal in England bei Baring Brothers & Co, N. M. Roth- 
schild & Sons und J. Henry Schröder & Co in Höhe von 3,5 Mill. £. 
Der Vertrag war in Höhe von 5 Mill. £ abgeschlossen, doch hat 
die Beratungstelle für Auslandskredite nur die genannte Summe 
*) Die von der Beratungsstelle genehmigte Anleihe der Stadt 
Würzburg in Höhe von 1.25 Mill, $ ist nach vergeblichen Verhandlungen 
mit der amerikanischen Bankfirma Lamport & Co, nicht zustandegekommen 
(Mitteilung des Stadtrats Würzburg). Sie wird allerdings in der Schrift 
von Ray Hall, „The Balance of International Payments of the United 
States in 1926“. als unter der Hand untergyehracht aufveführt.
	        
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