Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
und durchgearbeitete Psychologie gestellt, welche die inneren 
Mächte der menschlichen Brust wohl anerkannte, aber sie noch 
in bestimmte, typische Formen der Charaktere, die Tempera— 
mente, gebannt sah. 
Beide Psychologien, die astrologische und die der Tempera— 
mente, schlossen sich dabei nicht aus; und auf west- und mittel⸗ 
europäischem Boden gingen sie eine Verbindung ein, deren 
Einfluß teilweise noch bis ins 18. Jahrhundert hinein gewährt 
hat. Während die einen im Blute nach Analogie der vier 
klassischen Temperamente jetzt nur das Feurige, Luftige, Wässe— 
rige, Irdische unterschieden oder von Salz, OÖl, Erde und 
Wasser oder auch Schwefel und Merkur redeten, rechneten 
damals andere bei der Charakteristik der Temperamente noch 
immer mit Sonne oder Mond oder Planeten. Und so waren 
denn, an Stelle der physiologischen Gegenstücke zum Psychischen, 
immer auch noch kosmische, ja magische Anschauungen im 
Schwung. 
Es war eine Richtung des Denkens, die freilich dem 
höchsten Durchschnitte schon der Kultur des 16. Jahrhunderts 
und erst recht des 17. Jahrhunderts nicht mehr gerecht wurde. 
Und so entwickelte sich seit dieser Zeit allmählich eine ganz 
andere Grundlage psychologischer Auffassung von viel aus— 
geprägterem Wirklichkeitscharakter, wie dies einem Zeitalter 
nunmehr beginnenden unmittelbar wissenschaftlichen Denkens 
entsprach. 
Dieses Denken verfiel allerdings auch noch nicht auf die 
schwere Frage, inwiefern etwa die Welt der Erscheinungen in 
ihrem objektiv gegebenen Zusammenhange den subiektiven Zu— 
sammenhängen unseres Denkens entspreche oder nicht — nur sehr 
vereinzelt und im ganzen folgenlos wurde dieser Punkt einst⸗ 
weilen berührt; seine genaue Behandlung ist erst eine be— 
zeichnende Erscheinung des neuen subjektivistischen Zeitalters. 
Vielmehr war man naiv davon überzeugt, daß dem logischen 
Denken neben seiner subjektiven auch eine objektive Wirklichkeit 
zukomme, eine Wirklichkeit, die in den Dingen selber gelegen 
sei. Daß man im Grunde einen metaphysischen Satz aus—
	        
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