Full text: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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Panik an der Stock Exchange und auf dem Geldmarkt hervor. 
Die Kurse wichen durchschnittlich um 8—10 %, tägliches 
Geld stieg am 22. Oktober auf 70 %, am 23. Oktober auf 
90 %. Trotzdem am 23. Oktober abends bekannt wurde, daß 
der Schatzsekretär den Nationalbanken 25 Millionen Dollar 
zur Stützung des Geldmarktes überwiesen hatte, hielt die 
Panik auch am folgenden Tage an, so daß die Kurse 8 bis 
10 % niedriger eröffneten und tägliches Geld bei Beginn 
der Börse 100—130 % notierte. Erst als Morgan aus einem 
dafür aufgebrachten Fond von 25 Millionen Dollar zehn- 
prozentige Darlehn gegen Lombardierung von Effekten ge- 
währte und zusammen mit der Standard Oil Gruppe (Rocke- 
feller) intervenierte, griff eine allgemeine Beruhigung 
Platz, so daß Europa, durch die niedrigen Kurse angelockt, 
zahlreiche Kauforders sandte, Damit war der Tiefstand 
der Krisis überwunden. 
Die folgende Tabelle ergibt die Kursschwankungen von 
amerikanischen Aktien, die in großen Mengen in euro- 
päischem Besitz waren und als internationale Spekulations- 
papiere an den Börsen in London und Amsterdam gehandelt 
wurden. 
1907 
„ Mai 12, Okt. 25. Okt. 
Philadelphia u. Reading ... 164 112 87 73 
Union Pacific ...... 195 146 118 104 
U. S. Steel common shares 50 37 23 23 
Höchstkurs 1906 
Welche Summen europäische Kapitalisten infolge des 
Kursrückganges ihrer amerikanischen Effekten damals ver- 
loren, läßt sich nicht einmal schätzungsweise ermitteln, 
da nicht festzustellen ist, in welchen Mengen und zu welchen 
Kursen amerikanische Effekten aus europäischem Besitz im 
Herbst 1907 abgestoßen wurden, Diejenigen Kapitalisten, 
die ihre amerikanischen Werte durchhielten, erlitten jeden- 
falls kaum Verluste, da die Krisis im Gegensatz zu der 
Krisis von 1893 schnell überwunden wurde. 
Im Laufe des Jahres 1908 war zwar die Börsentendenz 
eine ruhige, indessen konnte sich der allgemeine Kursstand 
infolge von Anlagekäufen heimischer und europäischer Kapi- 
talisten bedeutend heben. Nach der Wahl Tafts zum Präsi- 
denten (Anfang November 1908) trat sogar eine Belebung 
des Effektengeschäftes ein, aus der sich dann im Mai 1909 
eine bis zum Sommer währende Börsenhausse entwickelte, 
deren Höchstkurse die des Jahres 1906 übertrafen
	        
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