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einem folgenden Kapitel erhellen; da, wie bereits oben hervorgehoben,
das gefundene „Gesetz“ und der sich daran knüpfende Begriff des
mittleren Fehlers bisher nur annähernd bestimmt wurde, wollen wir
uns jedoch vorher u. a. die Aufgabe stellen, auf anderem Wege zu
siner genaueren Präzisierung teils des eigentlichen Gesetzes, teils
der Bedingungen, unter denen das Gesetz Gültigkeit hat, zu-gelangen.
B. Die Hauptsätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
91. Aus den obigen Beispielen über die Resultate von Glück-
spielen und ähnlichen Erfahrungen ging hervor, daß man unter ge-
wissen Bedingungen annähernd vorausberechnen kann, wieviele
Begebenheiten der einen oder der anderen Art bei einer gegebenen
Versuchsordnung eintreffen werden. Die Zahlen schwingen zwar,
jedoch um einen festen Durchschnittspunkt und innerhalb gewisser
Grenzen. Die Abweichungen verteilen sich ungefähr symmetrisch
am den Durchschnittspunkt und gruppieren sich im übrigen bei allen
Versuchsreihen fast genau in gleicher Weise; es gibt viel kleinere
Abweichungen und wenig größere, so daß man vorderhand ein recht
zutes Bild der Verteilung erhält, wenn man bloß bestimmt hat, inner-
aalb welcher Grenzen der eine oder der andere Bruchteil, z. B. */s
ler Abweichungen, fallen wird.
Wie im folgenden dargelegt werden soll, bestätigen sich diese
Resultate nun auf vielen anderen Gebieten menschlicher Betätigung,
besonders sobald man gewisse Ursachen wie Alter, Geschlecht usw.
isoliert; wenn auch die Grenzen für die Abweichungen selbst nach
einer solchen Isolation von Ursachen weitere sind als bei den Glück-
spielen, so kann man doch in der Regel gewisse Ursachen angeben,
welche sich allerdings oft einer näheren numerischen Behandlung
entziehen, von denen man aber trotzdem behaupten darf, daß ihre
[solation, falls sie möglich wäre, die Abweichungen verkleinern, und
Jaß sich dabei eine Tendenz auf die für Glückspiele geltende Ver-
teilung hin zeigen würde.
Als Folge davon, daß man in der Statistik gerade von einer
Menge von Ursachen absieht, welche in Wirklichkeit ein Phänomen
beeinflussen, deren Wirkungen aber mit irgend einer Begründung
als sich ungefähr gegenseitig aufhebend betrachtet werden können,
geschieht es oft, daß man eine ganz einzelne Eigenschaft oder ein
einzelnes Kennzeichen eines beobachteten Phänomens zum Gegen-
stand der Forschung macht; man interessiert sich dabei nur dafür,
ob die Eigenschaft oder das Kennzeichen vorkommt oder nicht. Bei-