Kap. V. Einleitung.
dann ist auch eine Reduktion dieser Leistungen auf ein gemeinsames
Maß unmöglich, dann gibt es auch keine „richtige‘ Verteilung in objek-
tivem Sinne.
Zunächst gilt das von den Leistungen mannigfachster Natur, die
wir unter dem Namen menschlicher „Arbeit‘‘ zusammenzufassen ge-
wohnt sind. Für die Arbeit des Denkers, des Künstlers, des Geschäfts-
leiters, des Handwerkers gibt es kein gemeinsames Maß, ihr gemein-
sames Produkt läßt sich nie und nimmer nach der Mitwirkung eines
jeden aufteilen.
Noch schärfer tritt die Unmöglichkeit des Zurechnungsproblems
dann zutage, wenn zur „Arbeit“ noch andere Produktionsfaktoren ver-
schiedener Art, Kapital, Naturmaterialien oder Grund und Boden hinzu-
treten. Aber eben für diesen Fall gewinnt das Zurechnungsproblem
erst das große allgemeine Interesse, dessen es sich im modernen Wirt-
schaftsleben erfreut. Wenn die mitwirkenden Leistungen ganz Vver-
schiedener Natur sind, kann man erst recht darüber streiten, wem der
Ertrag der Produktion gebührt. Jede Partei ist natürlich geneigt, die
Bedeutung ihrer Mitwirkung besonders zu betonen, sich einen möglichst
großen Teil des Ertrags zuzurechnen und demgemäß die bestehende
Verteilung als ungerecht zu erklären. Die Beweismethode, die dabei
meistens zur Anwendung kommt, besteht darin, daß man sich die
eigene Mitwirkung entzogen denkt und fragt, was dann die übrigen
Produktionsfaktoren auszurichten vermögen würden! Diese Beweis-
methode leidet aber an der Schwäche, daß sie mit demselben schlagen-
den Erfolg vom Vertreter eines jeden Produktionsmittels, dessen Mit-
wirkung für die Produktion unbedingt notwendig ist, verwendet werden
kann: das Entziehen eines solchen Produktionsmittels reduziert immer
das Ergebnis der Wirkung der übrigen auf Null.
Gestützt auf eine solche Beweisführung hat man auch wirklich für
die Arbeit das ganze Ergebnis des Produktionsprozesses in Anspruch
genommen und so „das Recht des Arbeiters auf den vollen Arbeits-
ertrag‘“ verteidigt. Bei dieser Verteidigung des genannten Programms
brauchen wir uns nicht aufzuhalten. Das Programm selbst ist aber
von Interesse insofern, als es dem sozialistischen Denken zugrunde liegt
und den positiven Ausdruck für die prinzipielle Verleugnung der Be-
rechtigung eines auf Privateigentum fußenden Einkommens darstellt,
Es liegt der theoretischen. Ökonomie ob, vollständig klarzumachen,
daß und weshalb eine Zurechnung in Übereinstimmung mit diesem
Programm wirtschaftlich unmöglich ist, daß und weshalb es für jede
Tauschwirtschaft eine wirtschaftliche, von der Rechtsordnung und der
speziellen Organisation derselben unabhängige Notwendigkeit ist, auch
den anderen Hauptproduktionsfaktoren bestimmte Anteile am Gesamt-
ertrag der Produktion „zuzurechnen“.
Da man den Anteil am Gesamtprodukt, der einem mitwirkenden
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