Full text: Zur Geschichte und Theorie des Bergregals und der Bergbaufreiheit

Natur unter der Erde verborgen hat, ist unstreitig 1 . Wenn nun die 
Glossen ausdrücklich bezeugen, daß hier nicht von solchen Schätzen 
gesprochen wird, welche durch Menschen vergraben sind; wenn ferner 
der Schwabenspiegel von Schätzen dieser Art an einer anderen Stelle 
und in ganz anderer Weise handelt, so dürfte die Beziehung der Worte 
schat und schaecz auf Bergwerksgüter unbedenklich sein. Die Glossen 
geben dafür, daß die Spiegler Schätze statt Erz gesagt haben, als 
Grund an, daß ein geeignetes Wort in der deutschen Sprache nicht 
vorhanden sei. Dem tritt zwar Böhlau mit dem Hinweis darauf ent 
gegen, daß schon in einer steirischen Urkunde vom Jahre 1103 das 
Wort „Arie“ für Erz vorkomme 1 2 3 * * * * . Allein abgesehen davon, daß daraus 
noch nicht die allgemeine Anwendung des Wortes „Erz“ in ganz 
Deutschland bewiesen ist, so dürfte dabei zu beachten sein, daß nicht 
alle der königlichen Gewalt unterworfenen Mineralien Erze sind. Erz 
(arx, aris) ist übrigens kein deutsches Wort, sondern das lateinische 
aes. Von den Bergwerksschätzen nahm die damalige Zeit an, daß 
sie von einer überirdischen Kraft in der Erde verborgen und durch 
Zeichen und Wunder den Menschen offenbar würden 8 . Die Annahme, 
daß der Sachsenspiegel das Bergregal und mit einer Beschränkung 
1 S. auch Sachse in der Zeitschrift für deutsches Recht Bd. 10 S. 62 ff. 
3 Arie, Arx, Arzt bedeutet indes in dieser wie in andern steierischen Ur 
kunden meines Erachtens nur Eisen-, höchstens noch Kupfererz (vgl. Muchar 
III 101). Alle Mineralien umfaßte es nicht und namentlich nicht die Salinen, denn 
es heißt in jener Urkunde vom Jahre 1103 „salino et rudere quod Arie dicitur“ 
(Pezii thesaurus aneedotorum novissimus Aug. Vind. et Graecii 1721 seq. tom. VI, 1 
p. 285). 
3 Die Entdeckung der ältesten bayerischen Goldbergwerke erfolgte angeblich 
durch wunderbare Lichterscheinungen. (Juvavia Anhang p. 31 de inventione Ju- 
vavensis castri.) Nicht minder knüpfen sich Wundergeschichten an die Eröffnung 
der ältesten böhmischen Bergwerke. Graf Kaspar Sternberg, v. Sperges, Klotzsch 
u. a. Würde man meinen, daß „schat", weil es oft auch vergrabenes Geld be 
zeichnet, auch den Thesaurus mit umfaßt, da dem Frankenkönige das Schatzregal 
zustand, so steht diese Meinung der Annahme, daß der Sachsenspiegel das Berg 
regal gekannt hat, nicht entgegen. Anzunehmen aber, daß es nur den Thesaurus 
behandeln wollte, ist recht unwahrscheinlich, da gerade in der Gegend des Spieglers 
hochwichtige Salz- und Silbergewinnungen stattfanden, deren Bedeutung zu den 
meist nur in Märchen vorkommenden Schätzen sich wie ein Tropfen zum Meere 
verhält. Man würde dann interpretiren: Aller Geld- oder Bergwerkschatz gehört 
zur königlichen Gewalt. Silber aber usw. Nimmt man ein Regal an, gleichviel 
Geld- oder Bergwerksregal, so muß man im Prinzip auch zugestehen, daß es ohne 
Genehmigung des Grundeigentümers ausgeübt werden durfte, da andernfalls das 
Regal wesenlos wäre und daß nur ausnahmsweise, nämlich beim Graben auf 
fremdem Acker der Grundeigentümer mitzusprechen hat.
	        
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