Contents: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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vollkommensten Antrieb zu einer Handlung hervorzubringen 
und hiemit diese Handlung selbst allgemein nothweiidig zu 
machen. Sie erzeugt eine Empfindung des Mangels und zu 
gleich das Vorgefühl der Befriedigung. Sie begleitet aber beide 
Empfindungen mit dem Bewusstsein der eignen Fähigkeit und 
Kraft, so dass neben dem Guten der Situation das Peinliche 
nur unter besondern Umständen ein schmerzhafter Stachel 
wird, übrigens aber nur ein gelinder Anreiz bleibt. Man wende 
nun das Gesetz der physiologischen Oekonomio der Natur auf 
die socialen Verhältnisse an, in denen sich der Arboiterstand 
befindet, und man wird richtiger urtheilen, als wenn man den Un 
wahrheiten eines beschönigenden und ruhesüchtigen Optimismus 
oder aber eines mit unterschiedsloser Schwärze färbenden Pes 
simismus folgt. Das völlige Elend ist zu schwach, um actions 
fähig zu sein; auch entspringt aus dem Uebermaass der Fort 
schritte des Heruntorkommens, ja überhaupt aus einer fort 
dauernd abwärts gehenden Bewegung keine Aussicht darauf, 
durch eigne Kraft eine durchgreifende Veränderung bewirken 
zu können. Die Lage des Arbeiterthums muss sich trotz aller 
Klemmen und Peinlichkeiten, ja ungeachtet wirklicher Rück 
schritte oder Verkommenheiten einzelner Gruppen, im Allge*- 
meinen verbessern. Nicht nur die Gesammtkraft muss durch 
die Zahl und die Vereinigung steigen, sondern auch der Ein 
zelne muss etwas von der ökonomischen und sonstigen Kraft 
für die Sache der Emancipation einsetzen können, wenn die 
Selbstbefreiung nicht ein leeres Wort bleiben soll. Hätten die 
von der Neubrittischen Oekonomie borgenden Socialismustheo 
rien, also beispielsweise die von Marx und Lassalle, wesentlich 
Recht, und wäre die Umwälzung der Auffassungsart, die von 
jüngerem Datum ist, als jene in Rücksicht auf eigentliche 
Volkswirthschaftslehre noch altfränkischen Doctrinen, eine 
blosse Illusion, so würde allerdings an dem socialitären Heil 
zu verzweifeln und die allseitige Corruption der Verhältnisse 
die einzige Aussicht sein. Die Erhebung der Bourgeoisie über 
den Feudalismus musste durch das Wachsen ihrer Kräfte und 
Fähigkeiten vorbereitet werden. Wie sollte es mit dem Ar 
beiterthum anders gehen können? Man hüte sich daher zu glauben, 
dass die Elendslogik die einzige oder auch nur eine sichere 
Stütze der Ableitung socialistischer Nothwendigkoiten sei. 
Nicht ein Gesetz des geringsten Unterhaltsmaasses macht die
	        
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