544
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
bus“ bekannt machte. Küche- und Kellerbetrieb, Maschinen
und Kessel, alles wurde auf der Flimmerleinwand gezeigt.
Das ist der Weg, den auch das Festlandshotel bei der Film-
reklame zu gehen haben wird. Wie wenig Menschen gibt es,
die hinter die Kulissen eines Hotels gesehen haben. Und wie
riesig interessant ist es hinter diesen Kulissen. Meine gründliche
Kenntnis des Hotelwesens habe ich dazu benützt, um eine
umfangreiche Studie über die „Wunder der Technik im Deut-
schen Hotel‘ zu schreiben. In dieser Studie weise ich darauf
hin, daß in vielen europäischen Zeitungen und Zeitschriften die
technischen Einrichtungen der amerikanischen Riesenhotels
liebevoll gelobt werden, so daß beim Leser ganz unwillkürlich
der Eindruck geweckt werde, die europäischen Hotels blieben
weit, sehr weit hinter den amerikanischen zurück. Sie seien
also nicht auf der Höhe und minderwertig. In meiner Studie
schildere ich eine wahre Überfülle von technischen Einrich-
tungen, die dem Gast im Hotel zugute kommen, und die
geschaffen wurden, um auch die Preise so niedrig als möglich
halten zu können. Eine Verfilmung dieser Studie zum Beispiel
würde eine glänzende Filmreklame für die Hotels bilden.
Eine solche Filmreklame kann, wenn sie gut ist, nicht billig
sein, und sie wird deshalb nur sehr kapitalkräftigen Betrieben
offenstehen, für die anderen käme dann das Genossenschafts-
wesen, die Verteilung der Lasten auf verschiedene tragfähige
Schultern, in Frage. Ich kann es mir sehr wohl als möglich
denken, daß eine Anzahl geschäftlicher Betriebe — sie brauchen
durchaus nicht alle zum Gastgewerbe zu gehören — sich zur
Schaffung eines interessanten Reklamefilms zusammenschließen.
Sie können den Film dann bei sich selbst vor ihren Gästen
Jaufen lassen, können ihn aber auch nach auswärts verleihen.
Ich kenne Kurorte, die einen eigenen Werbefilm besitzen und
diesen während der Saison wöchentlich, oft mehrmals in der
Woche, ihren Gästen vorführen. Dabei war Eigenartiges zu
beobachten. Obwohl die Zuschauer selbst am Schauplatz des
Films weilten, waren sie doch mächtig gepackt und das Interesse
erlahmte nicht etwa, sondern blieb und wuchs sogar. Das mag
daher kommen, daß man die auf der Leinwand im Filmstreifen
vorgeführten Dinge mit ganz anderen, ich möchte sagen: auf-
nahmefähigeren Augen betrachtet als im wirklichen Leben.
Ich weiß, daß Leute an irgend etwas Bemerkenswertem jenes
Kurortes täglich vorübergingen, ohne es zu beachten und daß