Object: Die Theorie der produktiven Kräfte in Lists "nationalem System der politischen Ökonomie"

sellschaftlichen Varianten, den augenblicklichen Zustand zum Aus- 
gangspunkt und Hotizont der Begriffsbestimmung macht. 
In der Dynamik muß der Wert die sozialen Varianten be- 
rücksichtigen, vor allem aber muß er mit dem Begriff der Chance 
rechnen. Man kann daher, wenn man „Wert“ in der Dynamik 
bestimmen will, sich diesen nur zeitlich unbegrenzt, doch von 
Augenblick zu Augenblick Schwankungen unterworfen vorstellen. 
Allerdings ist diese Betrachtungsweise heute noch nicht zur klaren 
Entwicklung gelangt und immer noch ein Problem. Düring ist 
bei seiner Werttheorie an dem Versuche einer Synthese der beiden 
Richtungen gescheitert, und so harrt, wie Sombart sagt?!), die Na- 
tionalökonomik immer noch eines Ricardo, der sie erlöst... 
$ 5. 
‚ Fassen wir noch einmal kurz die Ergebnisse dieses ersten 
Teiles unserer Untersuchung zusammen: Das Listsche System ist 
eine dynamische Produktionstheorie. Es ist aufgebaut auf der 
Grundlage des sich stetig fortentwickelnden Organismus, Im Ge- 
gyensatz zu aller klassischen Theorie, bei der die Probleme der 
Zirkulation, des Wertes (statischem Preis), der Verteilung in den 
Vordergrund gestellt sind, interessieren List diese Probleme nicht. 
Der ursächliche Zusammenhang zwischen einer organisierten Gesell- 
schaft und der Produktivkraft dieser Gesellschaft ist das Problem der 
Listschen Theorie. Ale anderen Erörterungen sind nur Ausstrah- 
lungen dieses einen großen Gedankens. Es ist daher nicht richtig, 
wie wir schon öfters bemerkten, die Probleme der Klassiker bei 
List finden zu wollen oder ihn gar mit dem Maßstab der klassi- 
schen Methode zu messen. Allerdings hat List selbst diesen 
Fehler begangen, indem er bei der Kritik an Adam Smith und 
seinen Nachfolgern, sie mit dem Maßstab seiner Ansicht gemessen 
hat, und nicht berücksichtigte, daß Zirkulations- und Einkommens- 
probleme nur auf statischer Grundlage zu behandeln sind. 
IL. Teil. 
Bei Betrachtung der Kritiken, die sich mit Lists Theorie der 
produktiven Kräfte beschäftigen, lassen sich drei Gruppen unter- 
scheiden. Die Kritiken, die wir zur ersten Gruppe rechnen wollen, 
sind Kritiken des ganzen nationalen Systems der politischen Oeko- 
nomie, also auch des theoretischen Teils. Sie sind aber im ganzen 
so unsachlich gehalten, daß ihre Betrachtung sich mehr aus hi- 
storischen Gründen (die meisten dieser Rezensionen sind nämlich 
von Zeitgenossen Lists geschrieben) als aus theoretischen rechtfertigt. 
Zu der zweiten Gruppe sollen diejenigen Kritiken gehören, 
die sich mit einzelnen Problemen der Listschen Theorie beschäf- 
tigen und diese zu beleuchten suchen. Eine Erfassung der Theorie 
als Ganzes finden wir bei ihnen nicht. 
1), Moderner Kapitalismus. II. Hbd., 2. Bd., S. 915. 
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