Object: Geburtenrückgang u. Sozialreform

D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 208 
VBerantwotung gegenüber dem Vaterland jederzeit bewußt fein. Ye maß- 
gebender die Stellung, dejto größer die Verantwortung. 
Dieje hohe Einfhägung der Familie follte aud im Wahlredht 
in Neid, Staat und Gemeinde zum Ausdruck kommen. So entfpricht 
e8 der organifHen Yuffafiung des Staates, der aus Familien, nicht aus 
Ynbividuen befteht. So erfordert es aber auch die Gerechtigkeit in Leiftung 
und Gegenleiftung. Das jollte uns der Krieg doppelt zum Bewußtfein 
gebracht Haben. Und was wir in glorreihen Kämpfen errungen Haben, 
müljen uns die Familienväter in die Zukunft Hinüberführen, an deren 
Seftaltung mitzuwirken fie um [o mehr berufen und interejjiert find, 
Wichtiger noch als SGejeggebung und Verwaltung jind die Sitten. 
Ummwandlung und Stärkung der fittliden Anfchanungen im Sinne der 
amilienpflichten tut not. Die Träger der ftaatliden Gewalt Können und 
iollen die Öffentliden Verhöhnungen und Schädigungen der fittlidhen 
Srundlagen und Bedingungen des Familienlebens unterdrüden, fie önnen 
und follen zur Erfüllung der gegenfeitigen Verpflichtungen anhalten, 
jie follen felbit mit gutem Beifpiel vorangehen und dur Wort und Tat 
für eine Gefundung der AnfhHanungen und Sitten wirken, AWber auch alle 
andern Kreije Haben die Pflicht, ihren Einfluß in diefem Sinne geltend 
zu machen. ; 
In erfter Linie {tehen da KirdHe und Seelforge. 
E8 fel ung gejtatiet, hier ein befonderes Wort an die Iatholildhen Konfratres zu 
Achten: 
Bezüglich der SGeburtenbefjchränkeng geziemt dem Katholifjhen Priefter, zumal 
bem jüngern, gewiß befonders zarte Nückficht und vornehme Zurüchaltung in der 
öffentlichen wie privaten Behandlung diefer Frage, Wir haben diefe Zurüchaltırng 
vielleicht fogar zu lange geübt, Durch den herrlichen Hirtenbhrief der deutfchen Bildhöfe 
om 20. Yargurft 1918 ift ja num die rechte Sprache für die Erörterung diefer feelforglihen 
Rrobleme gegeben: eine Sprache voll Kraft und Ernft, geftügt und getragen von der 
Sindringlihteit und Yırtorität des Wortes Gottes; diskret und vorfichtig und doch ver. 
tändlich für die, welde es angeht; beftimmt und feit in den Forderungen, aber zugleich 
yon feinem pfycdhologijdhen Verftändnis für die innern Kämpfe und wirtfHaftlichen 
Nöte der Beteiligten, Das Gefjeg Gottes fteht Har und unerfhütterlich da, und wir 
Jaben die heilige Pflicht, es {tet3 und überall, unverkürzt und unge[Hhwächt zw vertreten, 
Das verftehen auch bei ung Gebildete wie Ungebildete, reich wie arm, darin Kiegt unfere 
Rraft und Autorität. Diefes Bewußtjein leitet und ftärkt ung in der Verkündigung 
des Gefehes Gottes auf der Kanzel, in der Chriftenlehre wie in der Leitung der Seelen 
im Beichtjtuhl; diefer Stellung haben wir es auch zu verdanken, wenn fich uns die 
Seelen in aller Offenheit und in ergreifendem Vertrauen erfohließen. Um fo mehr 
zriwächft uns aber auch die Heilige Pflicht, nicht in der felbftgefälligen Herzlofigkett 
der Schriftgelehrten und Pharifäer, jondern mit der Geduld, Nachlicht und Liebe 
unfere8 göttlichen Lehrmeijter3 unferes feelforgliden Amtes zu walten, ES muß das 
Berftändnis und die innige Teilnahme für die Schwierigkeiten der Lage auch dem 
erniten Worte die warme, eindringlide, gewinnende und verföhnende Klangfarbe 
geben, Sie wird ung um fo natürlicher fein und auch um fo eher verftanden werden, 
‚e mehr wir fie auch in dem hraktildhen Verhalten des tagtäglichen Lebens in Wort und
	        
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