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Dritter Teil,
Trotzdem soll‘ aber Sachkennern‘ zufolge angenommen werden
dürfen, daß auch bei einem etwaigen Verschwinden der Ab-
treibung der Geburienrückgäng‘ denselben Umfang behalten
könnte, da es gegenwärtig ungefährlichere und einfachere ge-
burtenverhindernde Mittel gebe als die Abtreibung 1%,
Savorgnan in Rom hat den Versuch unternommen, die Be:
tätigung allgemeiner neomalthusianischer Praktiken zur Be-
schränkung "der Kindererzeugung statistisch zu erfassen. Er
bediente sich zu diesem Zwecke der Tatsache, daß, wenn in
der Regel in neomalthusianistisch orientierten Ehen das Zwei-
kindersystem herrsche, doch infolge der Unvollkommenheit der
bisher bekannten Präventivmittel häufig gegen den Willen der
Ehegatten noch ein drittes Kind geboren werde. Da durch die
Anwendung von Schutzmaßregeln immerhin aber eine gewisse
Erschwerung und Verzögerung der Zeugung erreicht werde, so
liege die Annahme nahe, daß bei denjenigen Ehen, in welchen
neomalthusianistische Grundsätze herrschen, die Pause zwi-
schen der Geburt des zweiten und der des dritten Kindes eine
längere sei als bei solchen Ehen, in welchen dem Spiel der
Natur freie Hand gelassen werde. Einen interessanten. statisti-
schen: Beweis für die Zutreffendheit seiner Folgerungen konnte
Savorgnan durch einen Vergleich der durchschnittlichen
Zwischenpausen zwischen der zweiten und der dritten ‚Geburt.
in den Ehen mit drei und mehr ‚Kindern in. den alten souveränen
Fürstenhäusern sowie in denen der mediatisierten Fürsten-
häuser Deutschlands erbringen. Seine statistischen Resultate
stellten sich. nämlich folgendermaßen dar192:
1 Grotjahn, S. 195. |
192 Franco ‘Savorgna n,‘ Das Aussterben der adligen Geschlechter.
Statistisch-soziologischer Beitrag über die Fruchtbarkeit der souveränen und
mediatisierten Häuser, im Jahrbuch für Soziologie, Bd. ı, Karlsruhe 1925,
Braun, S. 332.