Kali — ein unentbehrlicher Nähr- und Rohstoff
Die Hauptstärke der Kaliindustrie liegt darin, daß die Welt auf ihre Erzeug-
nisse nicht verzichten kann. Eine Anregung zum Käuferstreik, wie sie z. B. von
einigen deutschen Agrarorganisationen zu Beginn des Jahres 1929 ausgesprochen
worden ist, wurde keineswegs allgemein befolgt; sie würde im übrigen zu einer
katastrophalen Lage der „Streikenden“ selbst führen. Ungenügende Kaliver-
sorgung führt nämlich sehr bald zu den verschiedensten höchst ungünstigen Aus-
wirkungen. Ist ein Ackerboden durch übermäßige Ausnutzung zu arm an Kali-
salzen, so färben sich die Stengel und Blätter der Pflanzen gelb und braun, die
Formen verkrüppeln, die Reife verzögert sich, der Fruchtertrag schrumpft zu-
sammen und die Empfänglichkeit für Krankheiten vergrößert sich.
Kali ist eben, genau so wie Stickstoff, Phosphorsäure und Kalk, ein unersetz-
barer Nährstoff des gesamten pflanzlichen Lebens. Solche Pflanzen, die große
Mengen Kohlehydrate wie Zucker und Stärke enthalten, beispielsweise Kartoffeln,
Zuckerrüben und Futterrüben, zeigen einen besonders großen Kalibedarf, doch gilt
die Notwendigkeit, der mit gesteigerter Anbauintensität auftretenden Kaliarmut des
Bodens durch Zufuhren entgegenzuarbeiten, für den gesamten landwirtschaftlichen
Anbau. Mit Bestimmtheit läßt sich voraussagen, daß in nicht ferner Zukunft auch
diejenigen überseeischen Agrargebiete, wo der Anbau heute noch extensiv be-
trieben wird, mit verstärkter Bodenausnutzung auch einen immer stärkeren Kali-
bedarf entwickeln werden.
Heute werden mehr als neun Zehntel des deutschen Kaliabsatzes von der Land-
wirtschaft des In- und Auslandes aufgenommen. Anteilmäßig ist derindustrielle
Kaliverbrauch von 30 % im Jahre 1895 auf 12—13 % in den letzten Vorkriegs-
jahren und 6—8 % im Durchschnitt der letzten Nachkriegsjahre gesunken, den
absoluten Ziffern nach aber etwas gestiegen. Kaliverbindungen werden in der
[Industrie verwandt zur Glas-, teilweise zur Seifenfabrikation, zur Herstellung ver-
schiedener photographischer Materialien, zur Schießpulverproduktion. ferner auch
zu zahlreichen medizinischen Zwecken.
Ein verdienstvolles Institut, das letzten Endes die landwirtschaftliche Kali-
anwendung nur fördern kann, ist die landwirtschaftliche Versuchsstation des Deut-
schen Kalisyndikats in Berlin-Lichterfelde, wo laboratoriumsmäßig kostenlose
Untersuchungen der Ackerböden vorgenommen werden können und der Misch-
düngerfrage hesondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Die Kalivorkommen
Vor dem Kriege verfügte Deutschland über rund 25 Milliarden Tonnen Kali-
rohsalze mit einem Reingehalt von schätzungsweise mindestens 2,5 Milliarden
Tonnen Reinkali (d. h. KO, die Sauerstoffverbindung des Kaliums). Der Kriegs-
ausgang hat diesen deutschen Vorrat um etwa ein Fünftel verringert; außerdem
sind in den letzten Jahren weitere Kalilagerstätten in den Vereinigten Staaten, in
Spanien, in Afrika, im Gebiet der U. d. S. S. R. usw. entdeckt worden. Allerdings
ist mit der Erschließung der zuletzt genannten Vorkommen bisher noch nicht oder
nur in geringem Umfang begonnen worden. Die Weltreserve an Kalirohsalzen kann