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des Bedarfs: in den Hintergrund gedrängt. Der große dringliche
Fehlbedarf an Wohnungen, der Ende 1926 nach Schätzung des Reichs-
arbeitsministeriums 600000 Wohnungen betrug, ist glücklicherweise
schon durch die Bautätigkeit der letzten zwei Jahre bei einem Rein-
zugang von jährlich 290000 Wohnungen und einem Neubedarf von
etwa 220000 um rund 140000 Wohnungen vermindert worden. Bei
einem Bauprogramm, das einen jährlichen Reinzugang von
300000 Wohnungen sicherstellt, würde der vom Reichsarbeits-
ministerium geschätzte Fehlbetrag bis zum Jahre 1936 an-
nähernd abgedeckt sein. Der danach von diesem Jahre an zu
erwartende starke Rückgang des jährlichen Zuwachsbedarfs an
Wohnungen würde die Gefahr einer Minderbeschäftigung in sich
bergen. In Wirklichkeit dürfte aber der Fehlbetrag an Wohnungen
erheblich größer sein, als sieh aus den Schätzungen des Reichsarbeits-
ministers ergibt. Außerdem könnte der durch die Beseitigung der
Wohnungsnot entstehende Ausfall an Arbeitsmöglichkeiten durch
den dringend notwendigen Ersatz überalterter Wohnungen gemildert
werden. Dieser Ersatz wird jedoch in noch stärkerem Maße
als die jetzige Bautätigkeit von der Beschaffung der. Geldmittel
und damit schließlich von der Kaufkraft der Mietermassen ab-
hängig sein. Eine allgemeine Ersetzung der Altwohnungen muß
steigende Mieten zur Folge haben, da eine Heranziehung des
Altbesitzes an Häusern und der Mieter von Altwohnungen zur
Verbilligung der Neubauwohnungsmieten auf dem Umwege über
die Hauszinssteuer dann mehr und mehr unmöglich wird.
Sobald einmal ein Ausgleich zwischen Haushaltungszahl und
Wohnungsbestand erreicht ist, wird die Wohnungszwangswirtschaft
keinen Sinn mehr haben und von selbst aufhören. Die Nachfrage
wird sich dann auf die zweckmäßigsten und mit den modernen Ein-
richtungen versehenen Wohnungen richten, aber der Mietpreis für
diese Neuwohnungen wird viele Haushaltungen dazu zwingen, auch
weiterhin mit weniger modernen, aber billigeren Altwohnungen vor-
lieb zu nehmen. Die Berechnungen über die zukünftige Bevölkerungs-
entwicklung zeigen, daß dieser Ausgleich zwischen Angebot und dring-
licher Nachfrage voraussichtlich in etwa 10 Jahren, also bis 1940, er-
reicht sein wird, und daß dieser Zeitpunkt Krisengefahren für das
Baugewerbe in sich birgt. Bis dahin wird die Lage des Baugewerbes
von der Bedarfsseite wenig beeinflußt werden, da überkommener
Fehlbedarf und Neubedarf Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Der