Full text : Wirtschaftspolitische Tagesfragen

Wiederholte Versuche, deutsche Butter
hier in größeren Mengen unterzubringen
— deutsche Butter unterzubringen! —
scheiterten bisher, wie angegeben wird,
aus folgenden Gründen. Die erforder:
lichen Mengen in der erwünschten Ge:
schmacksrichtung konnten nicht aufgebracht
 werden. Die deutsche
Butter ist schlecht durch:
gearbeitet und enthält häufig
Rückstände. Der Wassergehalt ist
zu groß. Bei der augenblicklichen Organisation
 des deutschen Molkereiwesens be:
steht eine sehr ungleiche Anlieferung, weil
man für größere Sendungen immer eine
bedeutend größere Anzahl von Molkereien
 heranziehen muß als z. B. in Holland.
Das ist natürlich ganz übel für ein so
sroßes Werk wie Krupp.

Dann etwas über deutsche Eier.
Das ist noch interessanter. Wir haben in
Berlin Kühlhäuser für Eier. Diese sind aber
im wesentlichen für polnische Eier in Anspruch
 genommen, nicht für deutsche.
Krupp schreibt:

Deutsche Eier könnten im
industriegebiet ziemlich leicht ohne
großen Kostenaufwand und mit gutem Erfolg
 abgesetzt werden. Gestempelte Eier,
nach denen besonders gefragt wird, sind
leider nicht in genügenden
Mengen am Markt. Gegenwärtig
 beherrschen daher ausländische
 Eier den hiesigen Markt im
ganzen Ruhrgebiet fast vollständig.
Als frische Trinkeier werden nur Holländer
 verkauft, die sich durch besondere
Frische, gute Sortierung, einwandfreie
Verpackung und Sauberkeit auszeichnen.
Ich stelle dies an den Eingang meiner
Betrachtungen, weil ich darauf hinzuweisen
habe, daß man nach meiner Meinung nur
auf dem Wege der Organisation der Land:
wirtschaft zu helfen vermag. Ich kann mich
nämlich nicht der Behauptung anschließen,
die man in landwirtschaftlichen Kreisen oft
hört, daß wir vor allen‘ Dingen dafür zu
sorgen haben, daß der Binnenmarkt, wie in
den Thesen des Reichslandbundes zum Ausdruck
 gekommen ist, zu kräftigen sei. Gezwiß
 muß dieser gekräftigt werden; darüber
sind wir alle einig. Ich habe ja auch nach:
gewiesen, welche Bedeutung die Landwirt:
schaft hat. Aber wir sind doch nun einmal
‚eider für viele Rohstoffe auf das Ausland
angewiesen. Wir können doch nicht be:
streiten, daß wir ohne Wolle, Baumwolle,

<upfer usw. nicht existieren können und daß
vir diese Sachen irgendwie bezahlen müssen.
Nir müssen nebenbei auch unsere Reparaionen
 durch Ausfuhr bezahlen. Es muß endich
 einmal opinio communis werden, daß
nan durch Gold oder Papier nicht die
Jaweslasten abtragen kann. Wir sind desı1alb
 gehalten, eine Handelsvertragspolitik
zu treiben, die allen Erwerbsständen gerecht
wird und nicht nur einen schützt.
Ich möchte auch einer Behauptung entzegentreten.
 Ich darf vielleicht etwas polenisch
 werden, natürlich rein sachlich. Es
;teht in Darlegungen des Reichslandbundes,
ron dem Herrn Grafen Kalckreuth, dem
>räsidenten des Landbundes, ausgeführt:
‚Eine wirkliche Exportsteigerung ist seit
lem Dawesplan nicht eingetreten“. Ich
ı1abe festzustellen, daß der Gesamtexport
m Jahre 1924 sich auf 7,7 Milliarden Mark
stellte und daß er im Jahre 1927 schon
0,8 Milliarden Mark betrug. Man sollte
virklich annehmen, daß derartiges nicht ge-;agt
 werden dürfte, wenn eine Exportsteige:
ung bei uns um 40 Prozent in den drei
'ahren festzustellen ist.
Ich möchte ferner konstatieren, daß
ınsere gesamte Industrie von ihrer Rein-»roduktion
 im Jahre 1927 5,9 Milliarden
Aark exportiert hat. Wir haben also unter
len Umständen den Export ebenso zu förlern
 wie den Binnenlandsmarkt; denn ab-;jesehen
 von der Bezahlung der Rohstoffe,
ler Daweslasten, können wir ja gar nicht
uf anderem Wege unsere Industrie voll be:
chäftigen als durch Förderung des Expor-‚es,
 den wir unbedingt benötigen.
Ich weiß genau wie Sie, daß unsere
Nirtschaftss und Zollpolitik naturgemäß
ıicht alle Stände befriedigt hat. Sie wird
‚uch oft in einzelnen Zweigen die deutsche
'ndustrie nicht befriedigen, weil der eine
ztwas hergeben muß zu Gunsten des ande:
‚en, wenn dessen Interessen vorwiegender
ind. Wir haben beim französischen Zoll:
arif und den französischen Handelsvertrags-‚erhandlungen
 erlebt, daß die Textilindustrie
tärkere Lasten durch die Lage der Dinge
zu übernehmen hatte als andere Industrien.
\ber ich stehe, um das zu bemerken, nicht
‚uf dem Standpunkt, daß man, solange die
Zollmauern in den übrigen europäischen
'taaten und auch in Amerika zum Teil
mmer weiter anwachsen, wir heute gerade
:aktisch den richtigen Moment wählen, wenn
vir mit dem Abbau beginnen. (Sehr richtig!)
ch bin der Meinung, daß man sich in der
'ndustrie und der Landwirtschaft darauf einzustellen
 hat, daß dieser Abbau eines Tages
            
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