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Weiterbildung" der Sozialwissenschaften danken sollten). Eine Auf
fassung, die offenbar aus einer Verwechslung der Politik mit der
Wissenschaft entstanden war. Denn daß in der Wissenschaft Marx
irgend welche größere kritische Arbeit geleistet Hütte, ist mir nicht be
kannt (während alles etwa vorhandene Verdienst der „historischen
Schule" in der „Kritik" der „klassischen" Nationalökonomie allein
gefunden werden könnte).
Aber auch dort, wo Marxens wissenschaftliche Leistungen stetes
außer allem Zweifel standen, wo man ihn für den Newton oder
sonst etwas ähnliches der Nationalökonomie erklärte: in den Kreisen
seiner politischen Anhänger scheint mir das Urteil über Marxens
Oeuvre nicht glücklicher zu sein. Insbesondere das, was Friedrich
Engels zu sagen wußte, um seinen Freund zu würdigen, und was
dann immer wieder nachgesprochen und nachgeschrieben ist, läßt ganz
und gar unbefriedigt. Nicht nur, daß es den Leistungen Marxens
nicht gerecht wird: es sucht sie in einer Richtung, in der sie gewiß
nicht liegen.
Engels hat öfters versucht, Marx die richtige Stellung in
der Geschichte unserer Wissenschaft anzuweisen. Am ausführlichsten
wohl dort, wo er Marx gegenüber Rodbcrtus zu rechtfertigen
unternimmt: in dem Vorwort zum zweiteu Bande des „Kapitals".
Die bekannten Worte lauten wie folgt im Auszuge:
„Was hat dann aber M. über den Mehrwert Neues gesagt?
Wie kommt es, daß Marx' Mehrwertstheorie wie ein Blitz aus
heiterem Himmel eingeschlagen hat, und das in allen zivilisierten
Ländern, während die Theorien aller seiner sozialistischen Vorgänger,
Rodbcrtus eingeschlossen, wirkungslos verpufften?
Die Geschichte der Chemie kann uns das an einem Beispiel
zeigen.