Object: Grundzüge der Sozialpolitik

482 III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper usw. 
glieder zu gewinnen, liat sich im Verlauf der Entwicklung ange 
schlossen das Streben, auch den Produktionsgewinn der Fabrikanten 
der zu vertreibenden Waren den Genossenschaftsmitgliedern zuzuführen. 
Diesem Streben entspringt die Eigenproduktion der Konsumvereine. 
Sie hat, wie gezeigt, namentlich in Großbritannien großen Umfang er 
reicht, hat aber auch in anderen Ländern erhebliche Fortschritte ge 
macht. Für die genossenschaftliche Produktion für den eigenen Be 
darf liegen die Vorraussetzungen günstiger, als für die in § 3 be 
sprochenen Produktivgenossenschaften. Die Eigenproduktion beginnt 
immer erst, wenn der Konsumverein eine gewisse Geldkapitalkraft 
erreicht hat, und sie findet in dem regelmäßigen Bedarf der Konsum 
vereinsmitglieder die Möglichkeit eines gleichmäßigen Betriebes. Be 
züglich der Leitung der Eigenproduktion sind die Schwierigkeiten 
ebenfalls geringer als bei den auf Absatz an Fremde angewiesenen Pro 
duktivgenossenschaften. Tatsächlich sind denn auch mit der Eigen 
produktion vielfach günstige Erfolge erzielt worden. In besonderem 
Maße trifft das Gesagte für die Eigenproduktion der Großeinkaufs 
genossenschaften zu. 
Die Großeinkaufsgenossenschaften ihrerseits sind der Ausdruck des 
Strebens, auch die Spesen und den Lohn der Vermittlung des Groß 
handels selbst zu verdienen. Das Konsumvereinswesen hat hiernach 
unzweifelhaft eine Tendenz, die dem Kleinhandel, den gewerblichen 
Produzenten und dem Großhandel nachteilig werden kann. Dies ist 
der innere Grund für die vielfach zu Tage getretene Abneigung gegen 
Konsumvereine. Die nach dieser Richtung hin etwa zu ergreifenden 
Maßregeln gehören dem Gebiete der inneren Handels- und Gewerbe 
politik an und werden in anderen Bänden des Handbuches besprochen, 
können also hier übergangen werden. 
Die Vorteile der Konsumvereine für die Arbeiter sind im allge 
meinen, mag auch das übliche Dividendensystem manche Überschätzung 
veranlassen, bedeutsam genug, um die starke Entwicklung dieses Zwei 
ges der genossenschaftlichen Tätigkeit zu erklären. Aber auch hier 
kommt als Empfänger der Vorteile in der Regel nur der besser ge 
stellte Arbeiter in Betracht. Das hängt zum Teil mit dem in den 
Konsumvereinen durchgeführten Grundsatz der Barzahlung zusammen. 
So erzieherisch das auch wirkt, so werden doch dadurch die wirt 
schaftlich schwächsten Teile der Arbeiterschaft vielfach von der Be 
teiligung an Konsumvereinen zurückgehalten.
	        
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