XII. Abschnitt. Ausgaben für Heer und Flotte. 1
kann nur mittels militärischer Kraft geschehen und die entsprechen-
den Kosten sind verschieden in verschiedenen Perioden der Gesell-
schaft und bei verschiedenem Stande des Fortschrittes. Bei Jäger-
völkern ist jeder Mann Jäger und Krieger zugleich. Im Krieg
und im Frieden betreibt er zum Schutz seines Lebens dasselbe
Handwerk. Der Krieg verursacht keinerlei besondere Ausgaben.
Auch in einer Gesellschaft von Hirten verursacht der Schutz der
Gesellschaft keine besonderen Ausgaben, denn jeder Hirte ist zu-
gleich Krieger und die Angehörigen nehmen am Kriege teil. Bei
ansässigen Völkern, die zumeist Ackerbau treiben, kommt bereits
eine gewisse Arbeitsteilung vor; alle Personen im Mannesalter
nehmen am Kriege teil. Doch noch immer führen diese ein Leben,
das sie für das Kriegshandwerk vorbereitet und solange der Krieg
in jener Zeit geführt wird, in welcher die Männer bei den Feld-
arbeiten entbehrt werden können, sind die Kriegskosten noch immer
geringfügig. In der feudalen Periode Europas trugen die Vasallen
die Kosten des Krieges. Nach der Entwicklung der Gesellschaft
wird es aus zwei Gründen unmöglich, daß die Kriege sich selbst
erhalten: der Fortschritt der Produktion und der Fortschritt der
Kriegskunst. Für den Ackerbauer arbeitet die Natur, wenn er
auch ferne ist, für den Gewerbsmann leistet die Natur nichts, so-
bald er seine Arbeit unterbricht. Geht er in den Krieg, so muß
die Gesellschaft für seinen Unterhalt sorgen. Dieselbe Folge hatte
der Umstand, daß mit dem Fortschritte der Kriegskunst das Kriegs-
handwerk gelernt werden mußte und diejenigen, die sich diesem
Handwerke widmeten, Anspruch auf eine Entlohnung hatten. Die
Kriegskunst, „gewiß die edelste aller Künste“, sagt Smith — ist
auch die komplizierteste. Der Stand der Technik entscheidet über
die Grenze der Entwicklungsfähigkeit, deren Erreichung aber un-
bedingt erfordert, daß dieselbe zur selbständigen Beschäftigung
werde. Je reicher eine Nation wird, destoweniger kriegerisch ist
seine Bevölkerung und desto mehr ist sie Angriffen ausgesetzt.
Der Staat kann nun zwei Wege einschlagen. Er kann entweder
alle Bürger oder einen Teil zwingen sich für den Kriegsdienst aus-
zubilden oder er kann hierfür eine eigene Institution errichten.
Das erste führt zum Milizsystem, das zweite zum stehenden Heer.
Bis zur Erfindung der Feuerwaffe war die Geschicklichkeit des
Kriegers von großer Bedeutung. Seit der Erfindung der Feuer-
waffe bedeutet dies weniger. Regelmäßigkeit, Ordnung und Ge-
horsam sind die wichtigsten Eigenschaften. Diese Eigenschaften
sind aber nur durch Einübung in großen Truppenkörpern erreichbar.
Sie sind nicht erreichbar beim Milizsystem. Nur der tägliche Drill,
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