Full text : Leben und Lehre des Buddha

Buddhas  Verhältnis  zu  Philosophie  und  Glauben.  51
vom  Lehrer  entlassen,  doch  schon  die  drei  Veden  und  die  ganze
Literatur  der  Brahmanen  genau  kannte.  Er  stellte  an  Buddha  die
Frage,  was  er  wohl  dazu  meine,  daß  die  Brahmanen  behaupten,
nur  ihre  alten  Lieder,  die  wie  ein  Korb  von  Geschlecht  zu  Geschlecht ­
  als  absolute  Wahrheit  weitergegeben  würden,  seien  Wahrheit, ­
  alles  andere  Irrtum?  Buddha  fragte  ihn  darauf  seinerseits,
ob  es  wohl  einen  einzelnen  Brahmanen  gebe,  der  behaupte,  nur
das,  was  er  wisse  und  kenne,  sei  Wahrheit,  alles  andere  Irrtum?
Als  Käpathika  dies  verneinte,  wiederholte  Buddha  die  Frage  in
bezug  auf  den  Lehrer,  den  Lehrer  des  Lehrers  bis  hinauf  zum
siebenten  Geschlecht  und  schließlich  bis  zu  den  Verfassern  der  Lieder
des  Veda  selbst.  Immer  muß  Käpathika  antworten,  daß  auch
diese  wohl  nicht  nur  das  für  Wahrheit  gehalten  hätten,  was  sie
gerade  allein  wußten.  Daraus  zieht  Buddha  den  Schluß,  daß
der  Autoritätsglaube  kein  Glaube  sei.  „Es  ist,  wie  wenn  eine
Reihe  von  Blinden  einander  an  der  Hand  führen;  der  vorderste
sieht  nicht,  der  mittlere  sieht  nicht,  der  hinterste  sieht  nichts  Der
Glaube  der  Brahmanen  sei  also  ohne  Wurzel.  Buddha  belehrte
dann  den  Käpathika,  daß  man  nicht  bloß  an  dem  festhalten  müsse,
was  einem  als  Wahrheit  gelehrt  sei,  sondern  daß  man  es  selbst
als  Wahrheit  erkennen  und  es  sich  mit  Arbeit  und  Mühe  als
Wahrheit  aneignen  müsse.  Fragen,  deren  Beantwortung  ihm
als  unmöglich  oder  zwecklos  erschien,  wies  Buddha  einfach  ab.
Der  Mönch  Nälnnkyäputra  beklagte  sich  einmal,  daß  Buddha
so  wichtige  Probleme  nicht  erörtert  habe,  wie,  ob  die  Welt  ewig
oder  nicht  ewig,  endlich  oder  unendlich  sei,  ob  Seele  und  Leib
identisch  oder  verschieden  seien,  ob  der  Vollendete  nach  dem  Tode
fortlebe  oder  nicht.  Die  Frage  Buddhas,  ob  er  ihm  bei  seiner
Aufnahme  in  die  Gemeinde  versprochen  habe,  solche  Fragen  zu  beantworten, ­
  oder  ob  er,  der  Mönch,  damals  seine  Aufnahme  von
der  Beantwortung  derselben  abhängig  gemacht  habe,  mußte
Mälunkyäputra  verneinen.  Da  belehrte  ihn  Buddha  mittels  eines
Gleichnisses,  daß  das  Wissen  von  diesen  Dingen  nichts  zur  Erlösung
beitrage;  er  solle  daher  das,  was  Buddha  nicht  erörtert  habe,  unerörtert
  lassen.  Auch  anderen  gegenüber  hat  Buddha  die  Beantwortung ­
  dieser  Fragen  stets  abgelehnt.
Eigenartig  ist  auch  die  Stellung,  die  Buddha  zu  den  Göttern
des  Volkes  einnimmt.  Buddha  leugnet  die  Götter  durchaus  nicht.
Es  ist  also  ganz  unrichtig,  ihn  Atheist  zu  nennen.  Auch  für  die
Buddhisten  ist  noch  inimer  Inära,  oder  wie  er  gewöhnlich  bei  ihnen
            
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