Die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie im Gsten.
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Ganz anders liegen die Verhältnisse im Osten. Die Nationali
tätenfrage, die Zugehörigkeit zweier Hälften der Bevölkerung zu
zwei verschiedenen Nationen, spielt dort neben den gesamten wirt
schaftlichen Verhältnissen in entscheidendem Nlatze mit. Ls bedarf
nicht allein wirtschaftlicher Amalgamierung des Ostens mit dem
übrigen Deutschland, sondern zuerst der Entscheidung der poli
tischen Machtfrage, ob der Osten aus die Dauer germanisiert
oder slavisiert werden soll.
Nur ein Mittel zu der nötigen Verschmelzung des Ostens
mit dem gesamten übrigen Deutschland ist die wirtschaftliche
Eroberung, die bisher nicht erreicht ist. Sie alle kennen die
Verhältnisse, die durch das Bernhardsche Buch über das pol
nische Gemeinwesen im preußischen Staat allen vor Bugen gelegt
sind, die sehen wollen. Ls genügt heute bei dem unbezweifel-
baren Vordringen und dem notorischen Aufschwung des polni
schen Mittelstandes nicht mehr, eine deutsche Oberschicht in ihrer
Herrschaft über das weite Gebiet des Ostens zu stützen, sondern
es ist in weiten Kreisen als notwendig bezeichnet worden, die
gesamte Bevölkerung zu germanisieren, um die Sicherheit zu
gewinnen, daß dieses von Preußen erworbene Land auf die
Dauer deutsch bleibt. Machtfragen sind es daher in erster
Linie, um die es sich bei diesem. Problem handelt.
Neben dem großen Eindruck der vorhandenen politischen
Differenzen auf dem Gebiete der Nationalitätenfrage steht für
jeden, der aus dem Westen kommt, der Eindruck, daß es sich
ebenso um große industrielle und landwirtschaftliche Differenzen
gegenüber den Verhältnissen des Westens handelt. Wenn nun
feit Jahren von privater Seite aus immer wieder wirtschaft
liche versuche gemacht sind, um den Osten zu industrialisieren,
um ihn so höherer und deutscher Kultur zuzuführen, so sind diese
ohne weiteres als erfreulich zu begrüßen. Ihre Erfolge und