Internationale Rundschau der Arbeit
Einige Zahlen mögen genügen, um darzutun, unter welchen
Mühen das gelungen ist. Um die Zeit, als der VB die österreichische
Krone stabilisierte, ‘stieg der Dollar in Österreich mit einer Ge-
schwindigkeit von 21 Kronen täglich. Als in Polen die Stabilisierung
der polnischen Mark erfolgte, betrug die Steigerung des Preises
des Dollars in Warschau 68 polnische Mark in der Minute. Als
Rußland den Tscherwonetz einführte, der einen Wert von 10 Gold-
rubeln besitzt, ging der Dollar in Petrograd in jeder Sekunde um
18000 Rubel in die Höhe, und als Deutschland durch die Renten-
mark zur Stabilisierung der Mark gelangte, stieg der Dollar in
Berlin mit einer Geschwindigkeit von 3 Millionen Papiermark
in jeder Sekunde,
Die aus dieser Entwickelung sich ergebende Wiederherstellung
der Handelsbeziehungen, des Wirtschaftslebens und der Pro-
duktion, wie alle Maßnahmen des finanziellen und währungs-
technischen Wiederaufbaues, unter Rückkehr zur Goldwährung
in den meisten Ländern, sind in den Berichten nicht nur fest-
gestellt, sondern auch erläutert. Besondere Berechnungen über die
einzelnen Elemente der Gestehungskosten in den verschiedenen
Ländern, und zwar berechnet in Gold, zeigen für das Jahr 1924,
wie sehr die 1921 oder 1922 in die Erscheinung getretenen Unter-
schiede geringer geworden waren.
‚Dieses Ergebnis ist natürlich auf zwei große Faktoren zurück-
zuführen. In den hochvalutarischen Ländern, in denen das Geld
ganz oder ziemlich von der Entwertung verschont blieb, also in
den nichteuropäischen Ländern, in den neutralen Ländern Europas
und in Großbritannien, hatte die, zum Teile durch dieses plötz-
liche Schwinden des Gleichgewichtes erzeugte Wirtschaftskrise,
ihre Wirkung getan; sie hatte zu einer allgemeinen Preissenkung —
wir nennen es hier Senkung der Goldpreise — geführt. Anderer-
seits hatte die Festigung des Zahlungsmittels in der zweiten
Ländergruppe, indem sie die Neigung zeigte, zwischen der inneren
und der äußeren Kaufkraft des Geldes die Parität wiederherzu-
stellen, die Goldpreise der Waren insgesamt erhöht. Diese doppelte
Bewegung hatte in einem gewissen Ausmaße zu einer Wieder-
annäherung, zu einer Art Wiederangleichung der wirtschaftlichen
Verhältnisse der verschiedenen Länder geführt und gerade dadurch
die Wiederanknüpfung der Handelsbeziehungen ermöglicht. Im
Juni 1921, also in einer Zeit, in der die Weltwirtschaftskrise sich
am allerschwersten zeigte, konnten die Unterschiede in den nach
Gold berechneten Lebenskosten, wenn man sie mit der Vorkriegs-
zeit als Grundlage in Vergleich stellt, durch _die folgenden Meß-
ziffern ausgedrückt werden: Deutschland 65, Österreich 73, Frank-
reich 128, Vereinigtes Königreich 177, Vereinigte Staaten 180.
Ende Februar 1923 waren die entsprechenden Zahlen: Deutsch-
land 49, Österreich 69, Frankreich 111, Vereinigtes Königreich 171,
Vereinigte Staaten 169. Ende September 1924 jedoch war die
Meßziffer der Lebenskosten in Österreich auf 92 geklettert und in
Deutschland auf 116, während sie in Frankreich auf 100 zurück-
gegangen war, für das Vereinigte Königreich auf 161 und in den
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