Noch von einem Punkte erlauben wir uns, Euer Durchlaucht, zu
sprechen, der dem Blick des weitsehenden und vorsichtigen Staats-
mann unmöglich entgangen sein kann: in dieser Ersstlingzeit unserer
kolonialen Bestrebungen, wo noch eine Menge ungelöster Fragen
schweben und wir überall noch im Finstern tasten, wird man das
äußerste Bedenken tragen müssen, ein so verhängnisvolles Defini-
tivum zu errichten, wie es die übergabe des Bodens zu Privateigen-
tum ist. An dies Definitivum binden wir die folgenden Geschlechter,
und sollte diesen die Erkenntnis der Unzuträglichkeit aufgehen, so
könnten sie sich nur unter schweren Opfern wieder von ihm lösen.
Dagegen trägt das Pachtsystem keine Entscheidung für die Zukunft
in sich, es ist ein Provisorium, das beliebig verlängert werden kann,
das sich einlebt, wenn es sich bewährt, an dessen Stelle aber mit
Leichtigkeit das Eigentumssystem gesetzt werden kann, in dem aller-
dings in unseren Augen höchst unwahrscheinlichen Falle seiner Nicht-
bewährung.
Unter Hervorheben dieser Gessichtpunkte, wie der anderweitig
schon in unserer ersten Petition vom 11. Januar v. I. gegebenen,
die nicht minder wichtig sind, gestattet sich der Verein an Guer
Durchlaucht die Bitte zu richten:
dem Gesuch des Vereins vom 11. Januar 1894 Folge geben
und diese wichtige Angelegenheit zunächst dem alsbald wieder
einzuberufenden Kolonialrate zur Begutachtung vorlegen zu
wollen.
Euer Durchlaucht gehorsamster
Der Vorstand
des deutschen Bundes für Bodenbesitzreform
Heinrich Fr e e s e Fabrikbesizer, Adolf Da m a s ch k e Lehrer, Fritz
Bor st e ll Verlagsbuchhändler, L e h m a n n Fabrikdirektor, Pauk
Kn o p p Fabrikant, Zo 1 l m an n Pastor, Wilhelm Meyer,
Dr. Hrtm a n 11.
§
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