Kardol
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Karragheen
i m erreicht und am besten in magerem, sandi
gem Boden auf sonnigem Standorte gedeiht,
hat bis x / 4 m lange, 8 cm breite Blätter, die auf
beiden Seiten zottig behaart und am Rande
dornig gezähnt sind. Das Kraut wird geschnit
ten, bevor die gelben, mit großen stacheligen
Kelchen umgebenen Blüten sich öffnen, und im
Schatten getrocknet. Es enthält neben einem
Bitterstoff, Knizin oder Zentaurin, und äthe
rischem Öl viel Salpeter und andere Salze. — K.
wird hauptsächlich zur Darstellung bitterer Li
köre, als magenstärkendes Mittel und in Form
seines Extraktes medizinisch benutzt,
Kardol (lat. Cardolum, frz. Cardol vesicair,
engl. Cardol vesicant), der in den Anakardien
(s. d.) enthaltene äußerst scharfe Stoff ist eine
schwach und angenehm riechende, rötlichgelbe,
ölige Flüssigkeit, die wegen ihrer unberechen
baren Wirkung nur selten, und stets nur äußer
lich angewandt wird. Man unterscheidet Car
dolum vesicans, aus westindischen Anakardien,
welches blasenziehend wirkt, und Cardolum
pruriens, aus den ostindischen Anakardien, wel
ches auf der Haut Pusteln erzeugt.
Karlsbader Salz (lat. Sal thermarum Caroli
narum), das durch Abdampfen des Karlsbader
Mineralwassers erhaltene Salz, wird für medi
zinische Zwecke zu einem ziemlich hohen Preise
(ungefähr 13 M. das Kilo) in den Handel ge
bracht. Dieses hohen Preises wegen hat man
als Ersatz ein künstliches K. hergestellt, das
aus den nicht flüchtigen Bestandteilen des Karls
bader Mineralwassers, aus schwefelsaurem Na
trium, Natriumbikarbonat und Kochsalz, in dem
selben Mischungsverhältnisse besteht, dieselbe
medizinische Wirkung wie das echte Salz aus
übt und nur 30—50 Pf. das Kilo kostet.
Karmelitergeist, Spiritus melissae comp,
des D. A.B., wird durch Destillation von Wein
geist über Melisse und mehrere andere ge
würzhafte Kräuter, Samen und Rinden als eine
klare und farblose Flüssigkeit vom spez. Gew.
0,90—0,9 t hergestellt und hat seinen Namen
vom Karmeliterkloster in Nürnberg.
Karmin, der prachtvolle rote Farbstoff, der
aus der Koschenille (s. d.) durch Ausziehen
mit Wasser und nachherige Fällung mit ver
dünnten Säuren, meist unter Zusatz von Eiweiß,
Gelatine und Alaun hergestellt wird, kommt
entweder als ein feurigrotes Pulver oder in un
regelmäßigen Bruchstücken in den Handel.
Die beliebteste Marke (Nakarat-K.) wird in
viereckigen Pappkästen von */ 2 —1 kg Inhalt
und verschiedenen Qualitätsnummern verkauft.
K. ist unlöslich in Wasser, löst sich aber in Am
moniak und soll nicht mehr als 9 o/ 0 Asche hin
terlassen. Durch Fällung alkalischer Karmin
lösungen mit Alaun und Zinnsalz erhält man die
sog. Karminlacke, die ebenso wie Gemische
mit Ton, Kreide usw. unter besonderen Namen,
wie Pariserrot, Florentiner, Wiener,
Münchener Lack in den Handel kommen. K.
wird als feine Malerfarbe sowie zum Färben
von Tapeten, Konditorwaren und arideren Nah
rungsmitteln benutzt.
Karminsurrogat. Unter diesem Namen kommt
eine Mischung von Anilinrot (Fuchsin) mit Sa-
fransürrogat (Binitrokresolkalium) in den Han
del, die früher zum Färben von Likören und
Konditoreiwaren verwendet wurde, nach dem
neuen Farbengesetz aber für Nahrungsmittel
verboten ist.
Karnallit, das nach dem Mineralogen Carnall
benannte, in den Abraumsalzen (s. d.) vor
kommende Kalium-Magnesiumchlorid (KCl-f-
MgCl 2 -f-6H 2 0) mit 27 °/o Kaliumchlorid, 34°/o
Magnesiumchlorid und 39% Wasser, bildet das
Hauptrohmaterial der Staßfurter Kaliindustrie.
Karnaubawachs (lat. Gera carnaubae, frz. Cire
de carnauba, engl. Carnauba wax), ein dem
Bienenwachs ähnliches Produkt pflanzlichen Ur
sprungs, scheidet sich an der Oberfläche der
Blätter von Copernicia (oder Corypha) ceri-
fera, der in Nordbrasilien wachsenden Wachs
palme, aus und bildet schmutzig grünliche oder
gelbliche Stücke, die im Aussehen gekochtem
Terpentin ähneln. K. ist hart und spröde, von
schwachem meerschaumähnlichen Glanz, schmilzt
bei 83—91 0 und löst sich in Äther sowie heißem
Alkohol und Terpentinöl. Das spez. Gew. beträgt
0,990—1,000. K. besteht im wesentlichen aus
Zerotinsäure-Myrizylester, neben geringen Mengen
freier Zerotinsäure und Myrizylalkohol. Seine
Säurezahl ist 4,5, die Ätherzahl 75, die Verseifungs
zahl 85—95°. Es erhöht in Gemischen mit Fetten
wesentlich den Schmelzpunkt und wird daher in
großen Mengen zur Pierstellung von Kerzen,
Wachsfirnissen und Bohnerwachs benutzt. Einen
Zusatz von K. zu Bienenwachs erkennt man
an der Erniedrigung der Säurezahl, der Er
höhung des spez. Gew. und des Schmelz
punktes und an d^m Fehlen der Palmitinsäure.
Karneol (frz. Cornaline, engl. Cornelian), ein
als Ringstein zur Verwendung kommender leb
haft roter, durchscheinender Chalzedon. Schleife
reien befinden sich in Idar.
Karobablätter (lat. Folia carobae, frz. Feuilles
Carobe, engl. Carobe leaves), die getrockneten
Blätter einiger Bignpniazeen, u. a. Jacaranda
procera, welche neben Harzen und aromatischen
Stoffen ein Alkaloid: Karobin, enthalten. Die
länglich eiförmigen Blätter mit stärk hervor
tretenden, schräg laufenden Seitennerven und
sternförmigen Drüsenhaaren werden von den Ein
geborenen gegen Syphilis und Hautausschläge
angewandt und neuerdings auch nach Europa
eingeführt.
Karotten (Stangentabak) nennt man fest
zusammengearbeitete, etwa 1 / 3 m lange, nach
beiden Enden hin verjüngte Rollen von gebeiz
ten Tabakblättern, die mit starkem Bindfaden
umwickelt sind und zur Bereitung von Schnupf
tabak verwendet werden. Die mittels einfacher
Maschinen zusammengewickelten sog. Puppen
erhalten eine Hülle von Leinwand, die vor dem
Verkaufe wieder entfernt wird. Vor der Ver
arbeitung läßt man die K. 3—4 Jahre liegen, bis
sie infolge des festen Zusammenschnürens und
der vorhandenen Beize nach und nach fast
speckartig erscheinen.
Karragheen (Irländisch Moos, Perlmoos,.
Knorpeltang, lat. Carrageen, Lichen irlandicus,
frz. Mousse d’Irlande, engl. Irish Moss), in den
Drogenhandlungen auch als Fucus crispus
bezeichnet, stammt von verschiedenen Meeres
algen, Sphaerococcus crispus, Chondrus
crispus und Gigartina mammillosa, die an
den Küsten der Nordsee und des Atlantischen