746 Posten und Postwesen.
sie nunmehr mit den Funktionen einer Beförderungsanstalt auch diejenigen eines Bank
instituts in sich vereinigt.
Die Post der Gegenwart unterscheidet sich von den vormaligen verwandten Anstalten
ganz wesentlich. Während nämlich die Posten der alten Zeit, insbesondere die persischen
und römischen Staatsposten, als ausschließliche Staatsanstalten fast nur dynastischen,
polizeilichen und Verwaltungszwecken der Machthaber dienten und ihre Benutzung in
Privatangelegenheiten im allgemeinen ausgeschlossen war, während weiterhin die Boten
anstalten des deutschen Mittelalters außerhalb der öffentlichen Verwaltung des Staates
standen und meist nur den Insassen der Klöster, den ansehnlicheren Bürgern der Handels
städte sowie den Lehrern und Schülern an den höheren Unterrichtsanstalten zu gute kamen,
zeichnet sich die moderne Post charakteristisch dadurch aus, daß sie ihre Thätigkeit weder
auf staatliche und dynastische Zwecke, noch auf einzelne Körperschaften beschränkt, vielmehr
den Verkehr aller vermittelt und den Bedürfnissen sämtlicher Staatsangehörigen dient.
Die Posten im Altertum. Um einen Vergleichsmaßstab für die Einrichtungen
der modernen Post zu gewinnen, wollen wir zuvörderst einen Blick auf das Postwesen
der alten Völker werfen. Die ältesten Nachrichten über postalische Einrichtungen finden
wir bei Herodot, Tenophon und anderen griechischen Geschichtsschreibern, sowie in der Bibel
im Buche Esther vor. Als Gründer der ersten Posten wird der Perserkönig Cyrus ge
nannt. Aber erst Darius, der große Organisator des persischen Reiches, hob und
vervollkommnete das Postwesen. Schriftsteller jener Zeit sprechen mit Anerkennung und
Bewunderung von dieser nützlichen Anstalt, deren zweckmäßige Einrichtungsweise auch uns,
wenn wir die frühe Zeit ihrer Entstehung in Betracht ziehen, überraschen muß. In den
3 bis 4 Meilen voneinander entfernten, an den Straßen gelegenen Stationshäusern standen
stets gesattelte Pferde und zum Aufbruche fertige Männer bereit. Der erste Reiter über
gab das zu Befördernde dem zweiten, der zweite dem dritten u. s. f., bis der letzte mit
seiner Sendung ans Ziel gelangte. Diese Kuriere hießen auf Persisch „Angaren". Ein
griechischer Berichterstatter sagt von ihnen: „Nichts auf der Welt ist schneller als sie. Die
Tauben und Kraniche vermögen ihnen kaum zu folgen. Auf jeder Station wechseln Roß
und Reiter, die ihren Lauf zu vollenden weder Regen, noch Schnee, noch Frost, noch Hitze,
noch die Finsternis der Nacht hindern kann." Diese Angaren brauchten, um die Strecke
von Susa nach Sardes (13 500 Stadien oder 337 deutsche Meilen) zurückzulegen, nicht
länger als sechs Tage. Sie machten also, ohne den notwendigen Aufenthalt zu rechnen,
in einem Tage 56, in einer Stunde 2 1 / 3 deutsche Meilen. Nach der Zerstörung des
Perserreichs durch Alexander den Großen kam das persische Postwesen auch nach Ägypten
und nach anderen Teilen des Orients, verlor aber nach dem Verfall des von dem genannten
Welteroberer gegründeten Reichs seine Bedeutung.
Der Postverkehr im alten Griechenland fand, gemäß der Beschaffenheit des küsten-
und inselreichen Landes, vielfach zur See statt. Landboten, die bei Tag und Nacht ihrem
Berufe oblagen, kannte man nicht. Die Hemerodromen oder Schnellläufer, welche
in einzelnen Fällen dem provinziellen Verkehre dienten, wechselten nicht regelmäßig ab,
gingen auch über die Grenzen des einzelnen Staates nicht hinaus. Ihre Schnelligkeit
war berühmt, und manchem von ihnen wurden wegen seiner hervorragenden Leistungen
Auszeichnungen zu teil. Von den zahlreichen Häfen liefen zeitweilig Postschiffe nach dem
Archipelagus oder der ionischen Küste aus. Mit der Sicherheit sah es freilich schlimm
aus, denn im Hinterhalte lauerten nicht selten Seeräuber und Abenteurer, die in den Baien
und Meeresbuchten sichere Schlupfwinkel fanden. Der Ordnung des griechischen Post
wesens stand die politische Zerfahrenheit hindernd im Wege, die Landstraßen waren ge
wöhnlich schlecht, denn fast nur zu den nationalen Heiligtümern, den Orakeln und den
Wettkampfplätzen führten gute Wege. Die Fahrpreise für die Passagiere, welche den Ge
fahren einer Reise Trotz boten, waren bei weitem billiger als heutzutage, selbst wenn man
den veränderten Geldwert in Betracht zieht. So machte man beispielsweise die Seefahrt
nach Ägypten für nur zwei Drachmen oder 1 1 j 2 Mark! Erst in späteren Zeiten begingen
regelmäßige Boten die griechischen Landstraßen und brachten Nachrichten und Briefe