Full text : Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

46

Bernhard Harms

hier auch nur erschöpfend aufzeigen, geschweige denn sie erledigen zu
wollen, muß ich mir versagen, hauptsächlich deshalb, weil es an den Voraussetzungen
 dafür noch völlig fehlt. Fast alle Erkenntnisgrundlagen auf
diesem Gebiet müssen erst noch gewonnen werden, wozu es umfassender
und tiefschürfender Einzeluntersuchungen in sämtlichen weltwirtschaftlich
 wichtigen Erdräumen bedarf. Es bleibt mir somit nur übrig, die
Problematik als solche zu beleuchten und die Wege zu zeigen, die möglicherweise
 zur Erkenntnis hinführen können.
Vorweg sei bemerkt, daß ich unter Kon junktur schlechthin
jeweilige Marktlage verstehe. Im konjunkturtheoretischen, hier zunächst
allein in Betracht kommenden Sinne begreife ich darunter eine kontinuierliche
 Abfolge von Marktgestaltungen in Form eines determinierten
 Phasenwechsels innerhalb eines wirtschaftlichen Kreislaufes.
Das Wesen (und die Wertung) der einzelnen Phasen als Inbegriff von
artmäßig gleichen Marktlagen bestimmt sich allgemein durch das Verhältnis
 von Angebot und Nachfrage auf den Märkten der Güter,
Dienste und Kredite, im besonderen durch das Verhältnis von
Produktions- und Absatzmöglichkeit.
Konjunkturschwankungen im eigentlichen Sinne charakterisieren
sich als Phasenänderungen (Phasenschwankungen). Von ihnen sind
zu unterscheiden Schwankungen innerhalb der einzelnen Phasenabläufe
 auf den Märkten, wie sie durch saisonmäßige Einflüsse, Stimmung,
Spekulation, politische Tagesereignisse u. dgl. bedingt werden (Phasenablaufschwankungen).
 Die letzteren sind praktisch für die
Konjunkturforschung von großer Bedeutung, doch berühren‘ sie nicht
das eigentliche Problem des Kreislaufes.
Nur ausnahmsweise dürfen Strukturwandlungen, über deren Begriff
das Erforderliche zu Beginn des Vortrages gesagt wurde, und Konjunkturschwankungen
 als sich deckende Erscheinungen angesehen
werden. Zwar wirken Strukturwandlungen in jedem Falle auf die
Konjunktur ein, nicht hingegen führen Konjunkturschwankungen regelmäßig
 zu Strukturwandlungen. Konjunkturschwankungen haben wohl
Erschütterungen des Wirtschaftsgefüges zur F olge, verändern aber in der
Regelnicht dessen Charakter. Je nach dem Grade, in welchem sie auftreten,
können sie zeitweilig zu empfindlichen Funktionsstörungen führen, doch
lassen sie die ursprüngliche Kräftelagerung überwiegend unberührt oder
verhindern wenigstens nicht ihre Wiederherstellung. Nur wenn Konjunkturschwankungen
 ausnehmend heftig sind (wobei dann immer noch zu
untersuchen bleibt, ob sie wirklich ausschließlich kreislaufmäßig bedingt
sind), führen sie zu Strukturwandlungen — wie periodisch auftretendes
Beben der Erde, das in weitaus den meisten Fällen zu dauernd morphologischen
 Veränderungen der Erdoberfläche nicht führt, doch gelegentlich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.