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einhaltung der Sonntagsruhe und wegen Uebertretung sonstiger Ar-
beiterschutzvorschriften erfolgen. Darüber orientieren am besten die
amtlichen Jahresberichte der Gewerberäte, in denen Tausende der
artiger Fälle aufgezählt werden. Besonders wird dort auch über
die Lehrlingszüchterei, Beschäftigung von Kindern usw. geklagt.
Die Löhne in privaten Betrieben sind bedeutend niedriger, als in den
Bäckereien der Konsumvereine, zumal die in den Konsumgenossen
schaftstarifen angeführten Minimallöhne von vielen Vereinen noch
überschritten werden. Der obengenannte Autor meint, daß die Höher-
belastung des Lohnkontos der Konsumvereine im Durchschnitt mit
25 Proz. nicht zu niedrig bemessen sei. Ferien werden in den pri
vaten Bäckereien überhaupt nicht oder doch nur einige Tage, höchstens
eine Woche gewährt. Wo aber in den privaten Bäckereibetrieben
annähernd günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen wie in den Kon
sumvereinen bestehen, handelt es sich um Ausnahmefälle, ebenso wie
es ein Ausnahmefall ist, wenn eine Konsumgenossenschaft verhältnis
mäßig schlechte Lohn- und Arbeitsbedingungen hat.
Es wäre noch die Frage zu beantworten, ob die vom Zentralver
band deutscher Konsumvereine abgeschlossenen Tarifverträge auch von
den einzelnen Vereinen eingehalten werden. Von den 237 Genossen
schaften innerhalb des Zentralverbandes, die im Jahre 1913 Bäckereien
betrieben, wurde der Tarif von 203 Vereinen mit 2891 Bäckern an
erkannt. Nicht tariftreu waren 31 Vereine mit 70 beschäftigten Per
sonen. Die Zahl der tariftreuen Vereine ist im Steigen begriffen?)
Wie schon erwähnt, wird die Leistungsfähigkeit der Konsum-
Vereine gegenüber den privaten Betrieben durch ihre glänzenden Ar
beitsbedingungen wesentlich beeinflußt. Dem Umstande, daß die Kon
sumgenossenschaften vorbildlich sein wollen als Arbeitgeber, daß
sie es sein müssen, um nicht selbst ihren Daseinszweck zu unter
graben, und schließlich noch, daß sie in einem gewissen Abhängig
keitsverhältnisse zu den Gewerkschaften stehen, da sie auf deren Mit
glieder nicht verzichten können, ist es zuzuschreiben, daß die konsum
genossenschaftliche Eigenproduktion nicht schon viel weiter um sich
gegriffen hat. Besonders ist es aus diesem Grunde für die Konsum
genossenschaften schwierig, da einzudringen, wo die Maschinenarbeit
gegenüber der Handarbeit zurücktritt. Beispiele dafür gibt uns das
dritte Kapitel über die Verteilung der Bedarfsgüter.
Neben den Schwierigkeiten, die durch die ungleich besseren Lohn-
und Arbeitsbedingungen der konsumgenossenschaftlichen Arbeiter im
ft Jahresbericht des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, S. 602.