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Erster Abschnitt
Das Gesamtquantum des in jedem Zeitabschnitt als Zirkulations:
mittel funktionierenden Geldes ist also bestimmt einerseits durc}
die Preissumme der zirkulierenden Warenwelt, anderseits durel
den langsameren oder rascheren Fluß ihrer gegensätzlichen Zir-
kulationsprozesse, von dem es abhängt, der wievielte Teil jene]
Preissumme durch dieselben Geldstücke realisiert werden kann
Die Preissumme der Waren hängt aber ab sowohl von der Masse
als den Preisen jeder Warenart. Die drei Faktoren: die Preis
bewegung, die zirkulierende Warenmasse und endlich die Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes, können aber in verschiedener Richtung
und verschiedenen Verhältnissen wechseln, die zu realisierende
Preissumme, daher die durch sie bedingie Masse der Zirkulations
mittel, also sehr zahlreiche Kombinationen durchmachen. Wir zählen
hier nur die in der Geschichte der Warenpreise wichtigsten auf.
Bei gleichbleibenden Warenpreisen kann die Masse. der Zir
kulationsmittel wachsen, weil die Masse der zirkulierenden Warer
zunimmt oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes abnimmt
oder beides zusammenwirkt. Die Masse der Zirkulationsmittel kanr
umgekehrt abnehmen mit abnehmender Warenmasse oder zu
nehmender Zirkulationsgeschwindigkeit.
Bei allgemein steigenden Warenpreisen kann die Masse de!
Zirkulationsmitiel gleichbleiben, wenn die Masse der zirkulierender
die nach Vermehrung des Geldes schreien? ... Der Pächter klagt... el
denkt, er könnte seine Produkte zu gutem Preise verkaufen, wenn nur meh!
Geld im Lande wäre, . . . Da scheint es also, daß er nicht Geld braucht, son
dern einen guten Preis für sein Korn und sein Vieh, die er verkaufen
möchte, aber nicht kann.... Warum erlangt er keinen solchen Preis? Erstens:
entweder gibt es überhaupt zu viel Korn und Vieh im Lande, so daß die
meisten auf dem Markte ebenso wie er verkaufen und nur wenige kaufen
wollen, oder zweitens die gewöhnliche Entlastung des Marktes durch Aus
fuhr stockt . . . oder drittens der Konsum geht zurück, wenn zum Beispie
die Bevölkerung infolge von Verarmung nicht mehr soviel für ihren Haus
halt ausgibt wie früher; es ist also nicht die Vermehrung des Bargeldes, die
den Produkten des Pächters zum Verkauf verhelfen würde, sondern die Be
seitigung einer der erwähnten drei Ursachen, die in der Tat den Mark
drücken, ... Der Kaufmann und der Krämer brauchen Geld in derselbe!
Weise, das heißt sie vermissen den Absatz für die Güter, mit denen sie Hande
treiben, weil die Märkte stocken, . . . Eine Nation gedeiht niemals besser
als wenn die Reichtümer möglichst schnell die Hände wechseln.“ (Si
Dudley North: „Discourses upon Trade, London 1691“, p. 11—15 passim-
Herrenschwands Schwindeleien kommen alle darauf hinaus, daß die aus de!
Natur der Ware entspringenden und daher in der Warenzirkulation er
scheinenden Widersprüche durch Vermehrung der Zirkulationsmittel b®
seitigt werden können. Aus der Volksillusion, welche Stockungen des Pre
duktions- und Zirkulationsprozesses einem Mangel an Zirkulationsmittel?
zuschreibt, folgt übrigens keineswegs umgekehrt, daß wirklicher Mangel #9
Zirkulationsmitteln, zum Beispiel infolge offizieller Pfuschereien mit de!
„Regulierung des Umlaufsmittels‘, nicht seinerseits Stockungen hervorrufe?
kann.