fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

186 Zwõlftes Buch. Erstes Kapitel. 
Verkehrs bewirkte eine Arbeitsteilung in der Volkswirtschaft 
über die agrarische Einförmigkeit früherer Zeiten hinaus: der 
Handel war früher da, als das Gewerbe, er erzeugte das freiere 
Handwerk. Dieser Handel als ständiger und ohne größere 
Unterbrechungen andauernder, berufsmäßig ausgebildeter Zweig 
der Volkswirtschaft bestand aber erst seit der Ausbildung regel⸗ 
mäßiger Wochenmärkte, d. h. in den Anfängen seit Ende des 
10. Jahrhunderts, völlig ausgeprägt erst seit der Wende etwa 
des 11. und 12. Jahrhunderts!. 
Indem aber eine so allgemein wirkende Ursache gewerblichen 
Fortschrittes eintrat, war es unmöglich, daß ihr Einfluß sich 
auf die Grundherrschaft und deren hörige Handwerker allein be— 
schränkte. Die städtische Bevölkerung auch außerhalb der grund— 
hörigen Bestandteile öffnete sich der neuen Anregung. Zwar 
waren die altfreien Bürger, wie sie sicher übrigens nur für die 
Städte Mainz, Trier, Köln und Magdeburg nachzuweisen sind, 
wohl der Regel nach in die werdende Großkaufmannschaft des 
11. und 12. Jahrhunderts aufgegangen, und dieser hatte sich 
vielleicht auch manch minderfreies Element der städtischen Ein— 
wohner zugesellt. Aber neben diesem Kreis lebte doch noch 
eine Menge einst höriger Elemente, die eben in diesen Zeiten, 
unter den Ottonen und Saliern, sich zu heben begannen: in 
Worms, in Speier, in Mainz verschwindet jede alte Unfreiheit 
schon um die Mitte des 11. Jahrhunderts. Wie mußten nun 
diese Bevölkerungsschichten, die Pioniere gleichsam des freiheit— 
lichen Fortschrittes der frühmittelalterlichen Hörigkeit, mit Be— 
gierde den neuen handwerklichen Berufsformen zustreben, die 
eine Arbeit für wechselnde Kunden, ja eine Produktion für in 
Bildung begriffene Marktverhältnisse versprachen. 
Und nicht bloß die tieferen Bevölkerungsschichten der Städte 
versuchten sich in gewerblicher Thätigkeit; ihnen zur Seite tra— 
ten hörige Handwerker vom Lande. Innerhalb der Grundherr⸗ 
schaften hatten viele Grundholde gesessen, die wirtschaftlich halb 
Rathgen, die Entstehung der Maͤrkte in Deutschland, Diss. Straß— 
burg (1881). S. 62 ff., vgl. dazu Schulte, Zeitschr. für die Gesch. des 
Oberrheins, N.F. 5, 1550 Anm. 1.
	        
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