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so wenig, wie sie die christlich-katholische oder die evan—
gelische oder die freistnnige ist, sie ist eine andere, neue
Auffassung, eine Anschauung von der Welt, die nur dem
Kommunismus eigen ist. Der historische Materialismus
ist nicht diese Weltanschauung selbst, er ist ein Weg, ein
Mittel, eins der vielen Mittel, dahin zu gelangen, wie
auch der Darwinismus, die ganze Naturwissenschaft, die
Lehre vom Kapital von Marx und die Vietzgensche Lehré
vom Geiste oder der Erkenntnis solche Mittel sind. Ein
einziges dieser Miltel genügt nicht, zu dieser Weltanschau—
ung zu gelangen, sondern alle zusammen führen erst dahin.
Wo wir in dieser Schrift nur den historischen Materia⸗
lismus erörtern, werden wir selbstverständlich über die
allgemein⸗philoso phische Weltanschauung des Kommunis—
mus nicht ausführlich sprechen. Bei einigen der Beispiele,
die wir zur Erläuterung unseres Gegenstandes anführen
werden, werden wir jedoch Gelegenheit finden, auf diese
allgemeine Weltanschauung hinzuweisen, damit auch dieses
Allgemeine, wovon der historische Materialismus mit so
vielen anderen Wissenschaften einen Teil bildet, den Le—
sern einigermaßen einleuchtet.
Inhalt der Lehre.
Was ist nun der allgemeine Inhalt unserer Lehre?
Bevor wir daran gehen, ihre Richtigkeit und Wahrheit zu
zeigen, werden wir den Lesern vorher einen allgemeinen
und klaren Ueberblick geben von dem, was zu beweisen ist.
Für jeden, der das gesellschaftliche Leben um sich her
beobachtet, ist es klar, daß die Mitglieder der Gesellschaft
in bestimmten Verhältnissen zueinander leben Gesellschaft—
lich sind sie einander nicht gleich, sondern sie stehen
rer und niedrigerer Stufe und in Gruppen oder Klassen
einander gegenüber Der oberflächliche Zuschauer könnte
meinen, daß diese Verhältnisse nur Eigentumsverhältnisse
seien; die einen besitzen Grund und Boden, die anderen
Fabriken oder Traͤusportmittel oder zum Verkauf be—
stimmte Waren, andere besitzen nichts. Der oberflächliche
Zuschauer könnte auch meinen, daß der Unterschied haupt—
sächlich ein politischer sei; einige Gruppen verfügen über
die Staatsgewalt, andere haben darauf keinen bder fast
keinen Einfluß Wer aber tiefer blickt, bemerkt, daß hinter
den Eigentums- und politischen Verhaltnissen Produfk—