Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Gold gewonnen. Glimmer wurden 686 für
300004 gefördert. Die Diamantgruben der
Tanganyika Diamonds Coy Ltd. Managua und
Mabuti (Bezirk Muansa) sollen einen großen
Krater wie in Kimberley darstellen und werden seit
dem 1. 1. 1926 von einer Anglo-American Coy
of South Afrieca ausgebeutet. Schon während
des Projektierens wurden im zweiten Halbjahr
1925 411, im ersten 1926 612 Karat im Durch—
chnittswerte von 54* aufgelesen. Als die Arbeit
um 1.7. 1926 begann, förderte man in den ersten
3 Tagen 184, in den 5 folgenden 361 Karat,
vobei der größte Stein 181/, Karat wog.
Noch während des Krieges war — am
. Jamiar 1917 — eine Zivilverwaltung im
„kkupierten Teile der deutschen Kolonie unter
5. A. Byatt eingerichtet worden, dessen üher⸗
rieben negrophile und der Eingeborenenkultur
zünstige Politik mit Recht allgemeinen Wider—⸗
pruch fand. Sein Bericht (1923) über die
Intwicklung des Schutzgebietes wurde von
der Britischen Handelskammer in Daressalam
zgekennzeichnet als „admirably calculated to
ieceive the Britisn public“. Dennoch wurde
er, seit 1919 Administrator und seit 1920 Gou—
verneur, erst 1925 durch Sir D. C. Cameron,
der seine Befähigung in Uganda bewiesen hatte,
ersetzt. In der uͤblichen Weise wurden dem Gou—
derneur ein Executive und ein Legislativo Council
J. 7. 1926) beigegeben. Letzteres besteht aus
18 Beamten und 10 vom Gouverneur auf 8 Jahre
ernannten Mitgliedern. Zur deutschen Zeit bestand
bekanntlich schon ein Wahlrecht. Aber man
fürchtet eingestandenermaßen, daß die zurück—
zekehrten Deutschen die Oberhand gewinnen
tönnten, und versagt es.
Die Gesetzgebungsmaschine arbeitet
intensiv; jährlich kommt ein dicker Band neuer
Verordnungen und Gesetze heraus. Zweckmäßig
var es, daß 1926 ein Versäumnis in deutscher
Zeit nachgeholt wurde, indem die 383 selbständigen
Distrikte zu 11 Provinzen zusammengefaßt wurden.
Dadurch sind zwei Verwaltungsinstanzen ge⸗
schaffen. Aufmerksamkeit verdienen die dem Geist
des Mandats zuwiderlaufenden Bestrebungen, die
ostafrikanischen Besitzungen Großbritanniens (Njas⸗
saland, Nord-Rhodesien, Sansibar, Kenya und
Aganda) mit dem Tanganyika Territory zu einer
Verwaliungs⸗ (Zoll- und Verkehrs-) Einheit zu—
ammenzuschweißen. Konferenzen der von Lord
Delamere geführten Ansiedler britischer Rasse (in
Tukuyu-Neulangenburg Oktober 18925) und der
Bouverneure in Nairobi (1926) sprachen sich —
diese bedingt — dafür aus.
Die Finanzen der letzten Jahre stellten sich
vie folgi lin 1000 *)
D ——
Ausgaben.. 1812 1748 1952 2261
Einnahmen. 11220 15591116362234
Defizit .. 583 187 316 258
Unverkennbar ist eine Besserung. Denn 1919
jis 1922 beliefen sich die Defizits auf 436 415,
42510, 793190, 483633 e. Die Verwaltung
st viel kostspieliger als die deutsche. Während
51 deutsche Beamte (19183) 5336 Weiße und
„6 Million Farbige betreuten, sind (1924) für
347 Weiße und 4,1 Million Farbige 800 bri—
sche Beamte nötig! Dazu werden um 600,,
öhere Gehälter gezahlt.
Von den Einnahmen beruhten (1926 aus)
zteuern 48,80,0 (6678 002 M), auf Zöllen 32, 80,
501000 4). Die Steuern sind gegen die deutsche
zeit um 1500,, und mehr, die Emifuhrzölle um
300/0 und mehr erhöht worden.
Von den Ausgaben fielen 178483 5 auf die
okalverwaltung, 124460 4 auf die Schutztruppe,
18856 auf die Volizei, 106 127 auf das Sani⸗
itswesen, 124444 auf öffentliche Arbeiten
204417 im außerordentlichen Etat), 63 450 auf
zost und Telegraphen, 86173 auf Land- und
forstwirtschaft. Die Eisenbahn brauchte 358684
in ordentlichen, 135287 an außerordentlichen
susgaben. Die Schulden betrugen 3144000 *
nd müssen neuerdings verzinst werden. Eine
hon für Anfang 1926 geplante 10-Millionen⸗
Unleihe ist bisher nicht zustande gekommen, und
amit sind die großen Bahnprojekte (Kilimandjaro
-Zentralbahn, Zentralbahn— Njassa) vorläufig
ußer der Strecke Tabora — Muansa undurchführ—
ar. Dagegen hat die Automobilisierung ganz
ewaltige Fortschritte gemacht, so daß man mit
ast⸗ und Versonenautos bereits fast überall hin⸗
elangen kann.
Kronland wird an den Meistbietenden in
Zacht auf 33 oder 99 Jahre gegeben. Der
Zzachtpreis ist alle 20 Jahre abänderbar. Dazu
estehen Kulturverpflichtungen, die zu erfüllen
ind. Einige Bezirke, in denen das Kronland
ereits vergeben ist, sind gesperrt. Erwerbungen
us zweiter Hand sind sehr kostspielig. Die
Urbeilerbeschaffung ist fast schwieriger als zu
eutscher Zeit, obwohl zahlreiche Hände infolge der
Ublösung des Trägerverkehrs durch die modernen
transportmittel frei geworden sind. Aber nicht
ur haben sich zahlreiche Eingeborene als Unter⸗
ehmer selbständig gemacht, sondern es sind auch
ewaltige Rekrutierungsbezirke wegen der Schlaf—
rankheit, die sich südlich der Zentralbahn weit
usgebreitet hat, gesperrt worden. Die Löhne
ind um das Maß der Teuerung gestiegen.
Nachdem im Juni 1925 den Deutschen die
Finreise wieder erlaubt und im November auch
— D—
ine erhebliche Rückwanderung ein. Zurzeit wird
chon in englischen Blättern über eine „deutsche
hefahr“ im TPanganyika Territory gefabelt. Die
zahl dürfte immerhin bald soviel betragen, als
üchtbeamiete Engländer vorhanden sind. Sie
esitzen 14 Handelsfirmen, 8 alte Sisalpflanzungen
uit 15000 ha Fläche und 10 neue mit 10000 ha.