Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert.
Leben gerufen, sondern zur Ehre Gottes und zum Heile der Seele
gestiftet. Ihre Sorge war hauptsächlich darauf gerichtet, die See e
ihrer Mitglieder nach ihrem Tode zu befreien. Man strebte die
Seele aus dem Fegefeuer zu erretten, indem man Vigilien und Memo-
rien veranstaltete. Ferner aber trug diese Genossenschaft ihre ver
storbenen Mitglieder feierlich zu Grabe, sorgte insbesondere für eine
anständige Beerdigung aller in Armuth und ohne Bekannte in Rig»
verstorbenen Personen und unterstützte verarmte Genossen.
Gilde leistete also dieselben Dienste, wie heute eine Todtenlade o er
Hilfskasse. Im Übrigen suchte sie ihre Mitglieder auch ausserha
des Kreises derjenigen Berufsgenossen, die der Gilde ursprunghc
ihren Namen verliehen. Sie zählte Rathsherren, Geistliche un
Magister zu ihren Angehörigen und verschloss sich wohl Niemandem
grundsätzlich, mit Ausnahme allerdings der Weber und Badstuber
Diese durften nicht einmal als Gäste auf den regelmässig abge'
haltenen Versammlungen eingeführt, geschweige denn aufgenominer
werden. Nach der Reformation änderte sich der Charakter ^
Gilde, insofern sie nun nicht mehr allen Einwohnern offen stan ’
sondern auf die Diener des Raths beschränkt blieb. Sie wur ^
zur Kranken- und Sterbekasse der Rathsdiener oder Ministerial
und hat als solche bis in unsere Tage bestanden b
Der gleichen Art sind wenigstens zunächst di« Genossenschaft^
der Bierträger, der Losträger und der Ligger gewesen. Sie nennet
sich Gilden oder Kompagnieen und sind geistliche Bruderschaft^'^ r
mit den oben geschilderten Zwecken. Die (olde der Lostrager ^
„in de ehre des hilligen licham nnses heren Jesu Christi^‘, die Gi
ehr L^n^^
hannes Baptisten, de unses heren Godes doper was“ gestiftet,
ihren Mitgliedern gehören Personen männlichen und weiblic ^
Geschlechts b Die Gilden der Losträger und der Ligger schein^
nur auf eine bestimmte Klasse von Erwerbsthätigen berechnet g
wesen zu sein. In der Gilde der Bierträger findet man jedoch a^^
Berufsarten, Geistliche und Rathsherren vereinigt. Den Hauptsto
aber werden sicher die Angehörigen des Berufs gebildet habe '
nach dem die Verbindung benannt ist.
^
1 Vergl. Stieda, „Ein mittelalterliches Beerdigungs-Comptoir in Riga“ in «
Zeitung für Stadt und Land“ 1878, und Mettig,.Die Rechnungsbücher der K
diener in Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterth. d. Ostseepr. 1890. f,
2 Mettig, Die Bücher der Rigaschen Bierträgergilde in Sitzungsber. d.
Gesch. u. Alterth. d. Ostseepr. 1890.