Full text: Die Volkswirthschaftslehre

16 Buch 1. Kap. 1. Grundbegriffe. 
schätzung zunächst den Gebrauchswerth; derjenige dagegen, der 
damit andere Güter eintauschen will, überwiegend den Tauschwerth. 
S13. 
Unter Gebrauchswerth ist also die Bedeutimg zu 
verstehen, welche ein Gut für den Zweck des unmittelbaren 
Gebrauchs erlangt. 
Jedes Gut hat in Folge seiner Gütereigellschaft Gebrauchs 
werth. Die Höhe desselben hängt ab: einerseits von dem 
Grade der Gebrauchsfähigkeit des betreffenden Gutes zur 
unmittelbaren Befriedigung von Bedürfnissen, lind andererseits 
von der Hochgradigkeit der Bedürfnisse, zu deren Befriedigung 
es sich eignet. 
Der Gebrauchswerth eines Gutes ist um sa beträchtlicher, 
je mehrerlei Bedürfnisse uud je besser (müheloser, vollständiger, 
zusagender :c.) sich diese vermittelst desselben befriedigen lassen, 
je bedeutsamer (allgemciuer, unentbehrlicher, dringender ec.) die 
damit zu befriedigenden Bedürfnisse selbst sind. 
Der Gebrauchswerth eines und desselben Glltes bleibt 
daher alich keineswegs dauernd und überall gleich groß, 
sondern kann vielmehr zeit- und ortsweise sehr ungleich sein 
je nach dem Gebrauche, den man davoll zu machen versteht, 
lind den jeweilig bestehenden Bediirfnissen. Er vermehrt 
sich mit Auffinden neuer Seiten der Brauchbarkeit oder 
erfolgreicherer Benutzung, imb vermindert sich dagegen mit 
Aufkommen wirksamerer oder wenigstens zllsagenderer Be- 
friedigungsmittel, welche das nämliche Bedürfniß ntt 
sprechender befriedigen. 
Ersteren Falls vermehrt sich der Gebrauchswerth, weil das 
betreffende Gut mm zur Befriedigung noch anderer Bedürfnisse 
oder mindestens besser als bisher gebraucht lverden kaun. Sv 
hat z. B. derjenige des ehemals minder vielseitig verlvendeteil 
Eisens uud des in Europa anfänglich blos als Heilmittel ge 
brauchten Tabaks ivesentlich zugeuomme», seitdem jenes ein aus 
gedehnt benutztes Baumaterial uud dieser ein allgemeines Ge 
nußmittel geworden ist. Ebenso erhöht sich der Gebrauchswerth
	        
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