Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Pfennig hat man ausgegeben für die Unterstützung der schweine- 
mästenden Kleinlandwirte, 
Zur Förderung der Milchverwertung hat man den ver- 
schiedensten Absatzorganisationen Kredite und Zinsverbilligungs- 
zuschüsse zum Bau von Sammellagern, Kühl- und Verpackungs- 
räumen, Reifehäusern gegeben, Das erste große genossenschaftliche 
Käsesammellager ist in Königsberg bereits geschaffen worden, Be- 
sondere „Ausgleichstellen” haben darüber zu wachen, daß’ die 
Märkte nicht überliefert werden. Die Schaffung einer zentralen 
Ausgleichsstelle für das ganze Reich ist geplant. Vor allem soll auch 
der Wirkungskreis der Allgäuer Butter- und Käsebörse erweitert 
werden, Angestrebt wird „Qualitätsbezahlung‘ der Milch. Dies 
alles bedeutet unter den heutigen Verhältnissen nicht etwa eine 
Unterstützung der tüchtigen Landwirte, sondern eine Unterstützung 
der kapitalistischen Landwirte, Nur der Agrarkapitalist 
kann Qualitätsware, zum Beispiel markengeschützte Milch, in großen 
einheitlichen Mengen regelmäßig liefern, Nur er hat also den Vor- 
teil der Qualitätsbezahlung, 
Auch die genossenschaftliche Eierverwertung soll zentra- 
lisiert und standardisiert werden. Bereits hat der Deutsche Land- 
wirtschaftsrat einen Organisationsplan entworfen und einen Einheits- 
stempel „Deutsches Frischei‘ geschaffen, Dieser Einheitsstempel 
wird nur jenen genossenschaftlichen Verwertungsstellen verliehen, 
die sich gewissen Bedingungen in Bezug auf Größe, Qualität, Frische 
und Kenntlichmachung der Eier unterwerfen, 
Dieselbe Richtung nimmt die Entwicklung im Obst- und 
Gemüsebau. Auch hier besteht bereits eine zentrale „Arbeits- 
gemeinschaft der Ein- und Verkaufsorganisationen im Gartenbau”. 
Die Geschäftsführung liegt in den Händen des Reichsverbandes des 
deutschen Gartenbaues, Diese Arbeitsgemeinschaft soll die Auf- 
stellung und Kontrolle des Standards im Benehmen mit den Land- 
wirtschaftskammern regeln, Qualitätsmarken schaffen, geeignetes, 
billiges und einheitliches Verpackungsmaterial bereitstellen, Verein- 
barungen mit Handel und Industrie, zum Beispiel Anbauverträge, ab- 
schließen. Das Schwergewicht wird hierbei auf die Errichtung neuer 
und. den Ausbau bereits vorhandener Absatzorganisationen, nämlich 
von Sammel-, Sortierungs- und Packerstellen, von Kühlhallen und 
Kohlscheunen sowie von Versteigerungseinrichtungen gelegt. 
Bei der Kartoffelverwertung richtet sich das Haupt- 
interesse auf die Schaffung von Konservierungsmöglichkeiten, „um 
das dringende Angebot im Herbst aufzufangen und den Verbrauch 
zeitlich zu verteilen“. Zu diesem Zwecke sollen vor allem Trock- 
nungsanlagen eingerichtet werden; für diese und die Stärkefabriken 
sollen außerdem noch große Einkaufs- und Verkaufsorganisationen 
ins Leben gerufen werden, Seit Mai 1928 besteht schon die Kar- 
toffelflocken-Zentrale, Die Deutsche Stärkeverkaufs- 
genossenschaft soll im Sinne eines Syndikats ausgebaut werden. Als 
Bauzuschüsse {für Einsäuerungsanlagen. die sich auch der kleine
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.