Full text : Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Konsumvereinen. Dieser Warenverkehr müßte auf festen sowohl örtlichen
 wie zentralen Lieferverträgen und Kreditabmachungen betüuhen.
 Aber auch hier stehen die Interessen der Arbeiter und
kleinen Bauern im Widerspruch 'zu den Großagrarierinteressen.
In den ministeriellen Richtlinien für die Organisation des Absatzes
landwirtschaftlicher Erzeugnisse und von Schlachtvieh, wie auch in
den Richtlinien zur „Rationalisierung der Genossenschaften‘ sind
an Absätze enthalten, die die Verwendung der bereitgestellten
ittel

„auch zur Organisation und Förderung des direkten Absatzes
von Schlachtvieh und Fleisch zwischen Erzeuger- und Verbrauchergenossenschalten“

ermöglichen sollen, Diese Absätze stehen jedoch nur auf dem Pa-Dier,
 Weder die reformistischen Konsumvereinsführer, noch die
Sroßagrarischen Genossenschaftsverbände haben irgend welche
Schritte eingeleitet, um Mittel für diese Zwecke anzufordern und
Verträge abzuschließen: Einzig und allein der Reichsbauernbund,
 eine dem Internationalen Bauernrat angeschlossene Organisation
 kleinerer und mittlerer Landwirte, hat in einem ausführlichen
Manifest an die großen Genossenschaftstagungen, die vom 18.—20,
Juni 1928 in Königsberg und in München sattfanden, auf die hier
Skizzierten Probleme hingewiesen und entsprechende Forderungen
aufgestellt. Worauf die großagrarischen Genossenschaftsführer und
die bürgerlichen Regierungen Wert legen, ist das genaue Gegenteil;
Ausbau der landwirtschaitlichen Genossenschaiten zu preisdiktietenden
 Monopolorganisationen, Vereinheitlichung des Einkaufs und
Verkaufs in zentralen Spitzenverbänden, Beherrschung der börsenmäßigen
 Spekulation an den großen Getreide- und Viehbörsen nach
dem Vorbild des kanadischen Weizenpools, Forcierung des
Exports, auch mit Mitteln der Schleuderausfuhr,
Alle bisher zur „Rationalisierung der landwirtschaftlichen Ge-Nossenschaften‘‘
 getroffenen Maßnahmen liegen in dieser Richtung,
So wurde. Mitte Juni 1928 in Berlin die Reichsviehverwertung
 G, m. b. H, mit Mitteln des Notprogramms gegründet, Ihre
Aufgabe ist, die „Förderung und Zusammenfassung des :genossenschaftlichen
 Viehabsatzes durch Marktbeobachtung im In- und
Ausland, organisatorische Beratung und Einwirkung zur Verhütung
des Wettbewerbes auf den einzelnen Märkten‘, Die letzten Worte
sind das Entscheidende und zeigen das Ziell „Verhütung des
Wettbewerbes“ ist das Leitwort aller industriellen Kartelle
und Syndikate, ist heute auch die Parole der. vom großen Agrarkapital
 geführten landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände.
Für den Arbeiter bedeutet das Teuerung der Fleischpreise und zwar
Ohne daß dem kleinen Bauern damit geholfen wäre, dem der Kapitalist
 den kleinen Mehrerlös gleich wieder in Form erhöhter Futter-Mittel.
 und Industriewarenpreise aus der Tasche zieht.
Wie die bürgerliche Presse Mitte Juli mitteilte, ist die Ver-Schmelzung
 der Landbundgenossenschaiten mit dem Reichsverband
landwirtschaitlicher Genossenschaften so gut wie perfekt, (Von

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