es verstanden, den Staatssekretär a, D., Hagedorn als ihren Ver-
trauensmann an eine führende Stelle innerhalb des Konzerns zu
bringen. Auch der Direktor des Konzerns selbst, Georg Scheuer,
stand dem Plan der Agrarkapitalisten sympathisierend gegenüber.
Agrarkapitalisten und Scheuergruppe arbeiteten seit 1926 in der
„Deutschen Getreidehandelsgesellschaft“ eng zusammen. Dort
scheint der Plan ausgeheckt worden zu sein,
Da aber die „Deutsche Getreidehandelsgesellschaft‘” in ihrer Be-
wegungsfreiheit durch Gesetzesparagraphen gebunden ist, konnte sie
nicht ohne weiteres zu einer marktbeherrschenden Monopolgesell-
schaft ausgebaut werden. Es mußte also ein neuer, rein privat-
wirtschaftlicher Weg gesucht werden. Dafür war es notwendig, daß
zunächst die Rentenbankkreditanstalt ermächtigt wurde, außerhalb
ihres früheren Tätigkeitsbereiches, die sich auf Kreditgewährung be-
schränkte, an geschäftlichen Unternehmungen „im Interesse der
Landwirtschaft” teilzunehmen. Im Zusammenhang mit dem Not-
programm wurde der Rentenbankkreditanstalt diese Ermächtigung
gewährt. Die Erhöhung des Stammkapitals der Preußenkasse lieferte
die notwendigen Mittel,
Sowohl die Mühlenvereinigung wie die durch die Rentenbank-
kreditanstalt und die Preußenkasse vertretenen landwirtschaftlichen
Genossenschaftsverbände erhoffen: von der neuen Regelung große
Vorteile. Die „Deutsche Tageszeitung‘ schreibt u. a,:
„Für die Mühlenvereinigung aber stellt es einen außerordent-
lich großen Erfolg dar, daß ihr nun eine so große Organisation,
wie es der genossenschaftliche Getreidehandel ist, mit seinen Lager-
räumen zur Verfügung steht, In landwirtschaftlichen Kreisen wird ‚es
jedoch nur begrüßt werden können, daß nun mit Hilfe einer so großen
getreideverarbeitenden Organisation sich neue Möglichkeiten für
die günstigste Getreideverwertung ergeben, daß man vor
allem nicht mehr auf den Handel und die Mühlen ganz angewiesen ist,
sondern nun der Landwirtschaft auch hier eine Hilfsstellung geschaffen
worderi ist, durch die vornehmlich das Problem der Lombardie-
rung leichter gelöst werden kann,”
Wenn schon die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft trotz be-
schränkter Mittel es in den letzten Jahren fertig brachte, die
Roggenpreise für die Dauer von vielen Monaten, vielleicht für eine
ganze größere Periode über das Niveau der Weizenpreise zu heben,
um wieviel mehr wird der neue gewaltige Mühlentrust in engster
Verbindung mit den großen landwirtschaftlichen Genossenschafts-
verbänden imstande sein, die Getreidepreise hoch zu treiben!
Daß dies und nichts anderes beabsichtigt ist, geht auch aus den
Angriffen hervor, die die „Deutsche Tageszeitung“ gegen den Ge-
treidehandel schleudert. Nach ihrer Meinung haben die Getreide-
händler eine unverhältnismäßig hohe Gewinnspanne in die eigenen
Taschen geleitet, indem sie die Erzeugerpreise drückten und den
Einkaufspreis für die Mühlen verteuerten. Diese Gewinnspanne
soll jetzt in die Taschen der Agrarier fließen! Das Wichtigste aber
sei der „Einfluß auf den Getreideaußenhandel‘, d, h. die Möglich-
keit. die. Einfuhr billigen Auslandsgetreides zu stoppen. Dies ist