Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Dungstreuern 
wurde beurteilt: 1, gleichmäßige Verteilung des Stalldüngers, 2. gerades 
Streuen in den Reihen, 3. Gesamteindruck des Bewerbers, Die Stichzeit 
war bei dieser Arbeit 43 Minuten.“ 
Hieran anschließend veröffentlicht die angeführte Zeitung einen 
Jangen Schmus über den „herrlichen‘ Verlauf des „Festes der Wett- 
arbeit” und das in der Landwirtschaft herrschende, segensreiche 
„patriarchalische” Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeit- 
nehmern, um schließlich mit der Verkündung der „Siegerliste” zu 
enden. 
In Wirklichkeit verschwinden mit der Rationalisierung auch die 
etzten Reste der patriarchalischen Arbeitsverfassung auf den Guts- 
und Großbauernhöfen. An Stelle der persönlichen Bindungen zwischen 
„Bauer' und „Gesinde“ tritt der nackte Arbeitsvertrag, Da es sich 
aber um eine Rationalisierung der Landwirtschaft in der imperia- 
listisch-faschistischen Periode handelt, ist die wach- 
sende Freizügigkeit und Auswechselbarkeit der Landarbeiter nicht 
begleitet von rechtlichen und sozialpolitischen Verbesserungen etwa 
in der Form der Annäherung an die arbeitsrechtlichen Verhältnisse, 
Lohn- und Arbeitszeitbedingungen und an die sozialpolitischen Ein- 
richtungen des. Industrieproletariats. Das moderne Agrarkapital 
setzt vielmehr alle Hebel in Bewegung, um die alte Ausnahme- 
gesetzgebung für Landarbeiter (Gesindeordnung bis 
1918, Landarbeitsordnung seit 1919, Minderrechte in der Betriebs- 
räte-, Arbeitszeit- und Arbeitslosengesetzgebung, keine Schutz- 
bestimmungen für Frauen und Kinder), die früher in den halb- 
patriarchalisch-feudalen Verhältnissen auf dem Lande verankert 
waren, auch jetzt unter den ganz neuen und rein kapitalistischen 
Verhältnissen beizubehalten, ja zu verschärfen (Arbeitsdienstpflicht, 
Verbot der Arbeitsniederlegung in Saat- und Erntezeit, Entbindung 
von den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung). Es ist gleichzeitig 
ähnlich der Schwerindustrie bestrebt, die Differenzierung der 
Arbeiterschaft, die schon bisher in hohem Grade bestand 
(Gutsangestellte, Gutshandwerker und Schweizer, Deputat- und 
Freiarbeiter, Schnitter], noch dadurch zu steigern, daß ein werk- 
ireuer Arbeiterstamm von relativ besser bezahlten, ständigen 
Qualitätsarbeitern der {fluktuierenden, schlechtentlohnten Hand- 
langermasse gegenübergestellt wird. Diesen Bestrebungen dient 
auch die Landarbeitersiedlung, wie sie vom Landbund 
oropagiert und mit den Mitteln der produktiven Erwerbhslosenfür- 
sorge durchgeführt wird, 
Von diesem Gesichtspunkte der Züchtung einer werktreuen Ar- 
beiteraristokratie aus interessiert sich das agrarische Unternehmer- 
tum auch für die Berufsbildung der Landarbeiter, für die Einrichtung 
von Maschinistenkursen und für die „Landarbeitslehre”, Mittel 
hierzu werden jährlich im Etat des Reichslandwirtschaftsministers 
angefordert, 
Dem Versuche der Landarbeiterschaft, sich dem Elend des halb- 
eklavischen Landlebens und den rohen Ausheutungsformen des
	        
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