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Erstes Buch, Cap. 3.
Wehrpflicht und der von Friedrich Wilhelm I. erzogenen
Bureaukratie zeitweilig grosse Massen des Volkes und einzelne
hervorragende Denker von radicalen Schwächen ergriffen wer-
den konnten. Es kann auch bei uns nicht oft genug gesagt
werden, dass die Herrschaft der Vielen an sich kein goldenes
Zeitalter verbürgt, sondern dass sie nur dann vor Auflösung
des Staates bewahrt, wenn die mitherrschenden Vielen ihrer-
seits beherrscht sind von der Leidenschaft, dem Staate zu
dienen.
8 2. Die Benthamiten.
Als der Mann, in dessen Kopf jede Art von englischem
Radiealismus vollauf ausgebildet war, erschien uns Bentham.
Bentham ist es, wie wir oben (S. 58) gesagt haben, der Kant und
Rousseau an die Seite gesetzt werden muss, wenn man die
nationalen Philosophen aufführt, die ihre Völker in die neueste
Zeit einführten. Tausende, die seinen Lehren folgten, kannten
ihn nicht, wussten nicht dass er lebte oder gelebt habe. Den-
noch lässt sich nachweisen, wie seine Schriften selbst auf die
vadicale Tagespresse in den 20er und 30er Jahren wirkten.
Ausser den Nationalökonomen und ihren Anhängern, die
aAnen Theil der Bentham’schen Anschauung consequent auS-
bildeten und ausser einzelnen Parteiführern, die wir als Bent-
ham’s Schüler kennen lernen werden, gab es auch ein kleines
Häuflein reiner und vollkommener Benthamiten, die sich selbst
„philosophische Radicale“ nannten, d. h. Männer, die weder
ausschliesslich Nationalökonomie noch politische Agitation trie-
ben, sondern die ganze Weltanschauung Bentham’s accep-
tirten und diese in der Literatur wissenschaftlich und popula-
risirend weiter entwickelten.
J. St. Mill erzählt uns in seiner Autobiographie sehr
anschaulich von dieser Gruppe. Die ganze Schrift!) ist
höchst charakteristisch, indem sie uns in schlichter und offen-
har höchst wahrheitsgetreuer Schilderung das Bild einer rein
1) Autobiography by John Stuart Mill. Second edition. London 1873.