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Die Gruppe der Geschäftsmänner
mit Coureelle -Seneuil und Baudrillart, ja selbst mit
G. de Molinari, als von der Schule überwunden hätte gelten
können, bewirkt, daß Leroy-B e a uli e u gegenüber historischer
und evolutionistischer Auffassung des Wirtschaftslebens in den
alten Rationalismus Bastiats und der Physiokraten zurück
fällt. Dies äußert sich insbesondere bei der von ihm unter
nommenen Widerlegung der sozialistischen Systeme und der
Begründung des Privateigentums, für die er auf die physio-
kratische Naturrechtslehre zurückgreift 1 ).
In Leroy-Beaulieus Lehrbuch der Finanzwissenschaft
kommt der individualistische und staatsfeindliche Bourgeoisstand
punkt konsequenter zur Geltung als in seinen sonstigen Werken.
Im Gegensatz zu den Physiokraten ist er der Berücksichtigung-
sozialpolitischer Gesichtspunkte bei der Lösung der Steuer
probleme abhold. Indirekte Steuern, selbst städtische Zölle, be
fürwortet er; dagegen bekämpft er lebhaft jede progressive
Einkommen- und Erbschaftssteuer. Die Personalbesteuerung
verwirft er überhaupt. An die wissenschaftliche Gründlichkeit
unserer großen deutschen Werke reicht Leroy-Beaulieus
Finanz Wissenschaft nicht heran. Für die Bedürfnisse der Praxis
dürfte sie aber jenen häufig vorzuziehen sein. Männern, denen
die Beschaffung von Mitteln für Staat und Kommunen obliegt,
bietet sie eine Fülle von Ideen, eine vortreffliche Anleitung zur
Sicherung und eventuellen Wiederherstellung der finanziellen
Wohlfahrt ihrer Gemeinwesen, wie auch eine reiche Fundgrube
von Materialien aus der zeitgenössischen Finanzpolitik großer
und kleiner Staaten.
Alfred Neymarck, Finanzier und Direktor des Börsenblattes
Le Héritier 2 ), ist seit mehr denn 40 Jahren Chronist des Wirt
schaftslebens und des Finanzwesens Frankreichs. Er hat vor
0 Vgl. Leroy-Beaulieu, Le Collectivisme, examen critique du nouveau
socialisme, 4. Aufl. 1902.
2 ) Alfred Neymarck hat wirtschaftsgeschichtliche Monographien über
Colbert und Turgot geschrieben (Colbert et son temps, 2 Bde., Paris, 1875 und
Turgot et ses doctrines, 2 Bde., Paris, 1885) ; den internationalen statistischen
Kongressen hat er mehrere Berichte über die internationale Wertpapier Statistik
vorgelegt (Berichte des internationalen statistischen Instituts, Bd. IX, Lief. 2,
Bern, 1895; Bd. XI, Lief. 2, Petersburg, 1897; Bd. XII, Lief. 1, Christiania,
1899; Bd. XIII, Lief. 8, Budapest, 1901).