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Vorschlag auf, Cuba käuflich zu erwerben und wenige Jahre später bildete
sich eine Gesellschaft, welche zu diesem Zwecke 200 Millionen Dollars zu
sammenzubringen beabsichtigte. Zugleich begannen unternehmende Männer
den abentheuerlicheu Plan iu's Werk zu setzen: Cuba durch Freischaareu
zu erobern. Ein Obrist White hatte dazu bereits eine ansehnliche Zahl ge-
sammelt, als die Regierung der Vereinigten Staaten einschritt, nachdem sie
offiziell auf das völkerrechtswidrige Unternehmen aufmerksam gemacht war.
Dies hinderte nicht, daß ein anderer Abeutheurer, General Lopez, den
Plan wieder aufnahm itub zur Ausführung schritt. Im Jahre 1849
schiffte er sich zu der sogenannten Rouud-Jsland-Expeditton ein, mit der
er allerdings kläglich scheiterte. Nichts desto weniger seegelte er im Mai 1850
abermals aus und landete au der Nordküste, eroberte Cardenas, mußte es
aber alsbald wieder räumen und sein Heil in der Flucht über See suchen.
Im Juli 1851 machte er den dritten Versuch. Er seegelte von New-Orleans
ab, landete bei Bahia Honda, drang in das Land vor, lieferte den spanischen
Truppen mehrere unglückliche Gefechte, flüchtete in das unwegsame Gebirge,
wurde gefangen und in Havana hingerichtet. Es ist schwer anzunehmen,
daß diese wiederholten Unternehmungen, welche der Insel empfindlichen
Schaden zufügten, ohne stillschweigende Nachsicht der amerikanischen Re
gierung wirklich Hütten zur Ausführung gelangen können. Als im Jahre 1852
England und Frankreich in Washington eine Koalition vorschlugen, um
den Spaniern Cuba zu erhalten, antwortete die amerikanische Regierung
ablehnend mit dem Bemerken, daß sie nichts bezüglich Cuba's zu veran
lassen gedenke, so lange es unter spanischer Herrschaft stehe, daß sie aber
(getreu ' der Monroedoktrin) dem Eingriff jeder andern Macht entgegen
treten würde. Dies hinderte freilich nicht, daß im Januar 1854 der gesetz
gebende Körper des Staates Louisiana eine Motion zu Gunsten der Ein
verleibung Cuba's annahm, und ferner nicht, daß in demselben Jahre 1854
der amerikanische Gesandte in Madrid der spanischen Regierung das An
erbieten machte, Cuba gegen Zahlung von 200 Millionen Dollars zu über
nehmen. Dabei war auf die gerade damals sehr ungünstigen politischen
und finanziellen Verhältnisse Spaniens gerechnet: das Anerbieten wurde
abgelehnt mit der Bemerkung, „Cuba verkaufen, heiße Spaniens Ehre ver
kaufen". Zu gleicher Zeit kühlte sich der amerikanische Eifer für die Er
werbung der Insel ab. Einerseits erwog man, daß der Zutritt eines neuen
Sklavenstaates und die Vermehrung der Bevölkerung durch l'/ 2 Millionen
bigotter Katholiken für die Union Gefahren berge; andrerseits waren in
Cuba Maßregeln zur Beschränkung der Sklaverei iu's Leben getreten,
welche in Louisiana Aufsehen und Unruhe erregten, so wenig sie in Cuba
selbst friedliche Zustände zu schaffen und zu bewahren im Stande waren.
Durch das Beispiel der Neger auf Domingo (Haiti) angeregt, hatten
die Sklaven alls Cuba bereits im Jahre 1812 eine weit verzweigte Ver-