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dazu geführt haben, ergeben sich aus dem folgenden „Unsinnige
Roßhäutepreise“ überschriebenen Aufruf eines Roßlederfabrikanten*):
„Nachdem der Artikel Roßhäute im Laufe des Jahres 1913 sukzessive eine
Preissteigerung von ca. 25% erfahren hat, ist derselbe seit Ende Januar, also in kaum
acht Wochen, namentlich auch auf den Auktionen, abermals um 15—20% in die Höhe
getrieben worden.
Wenn es den Fabrikanten, die diesen Rohartikel verarbeiten, auch sehr schwer
wurde, bei der ersten Hausse die Preise für das Fabrikat in angemessener Weise zu
erhöhen und in Einklang mit den Rohpreisen zu bringen, so glückte ihnen dies doch
annähernd, da auch für die Schilder bessere Preise zu erzielen waren, und somit nicht
der ganze Aufschlag dem Hals allein zu belasten war. Die Preise für Chromroßleder
haben damit aber auch eine Höhe erreicht, die eine weitere Steigerung nicht zuläßt.
Bei noch höheren Preisen wird der Artikel nicht mehr verarbeitet.
Der jetzige Aufschlag für die Rohware entbehrt dagegen jeglicher Berechtigung
und ist m. E. auch nur auf spekulative Treibereien auf den Auktionen zurückzuführen.
Aber man muß sich doch wundern, daß solche Machinationen Wochen hindurch be-
trieben werden können und nicht als unnatürliche Erscheinung in kurzer Zeit zusammen-
brechen. Wer ist hieran nun schuld? Ganz allein der Roßledergerber! Warum macht
er nicht Front gegen eine derartige unberechtigte Verteuerung seiner Rohware, in-
dem er seinen Betrieb einschränkt; warum nimmt er die unsinnig teuren Roßhäute
aus den Auktionen herein und läßt sie nicht lieber dem spekulativen Ersteigerer ?
Wenn dieser einmal an der Ware hängen bleibt und sie zuletzt mit fühlbarem Verlust
verkaufen muß, wird er das nächste Mal nur auf Grund ihm erteilter fester Limite
kaufen.
Kollegen! Die heutigen Rohpreise sind ruinös für uns, dies ist kein neues Evan-
gelium, jeder von Euch wird das an seinem Geldbeutel bereits gespürt haben! Wollt
Ihr nun ruhig zusehen, wie Ihr in Eurem Geschäft lahmgelegt werdet? Hat es denn
einen Zweck, die Fabriken voll klappern zu lassen, nur um Geld zu verlieren ?
Besinnt Euch zur rechten Zeit; Ihr habt es in der Hand, eine für Euch günstige
Änderung herbeizuführen.
Schränkt die Betriebe ein, Ihr braucht dann weniger Rohware aus dem Markt
zu nehmen und bringt weniger fertige Ware an den Markt.
Kauft keine Auktionshäute, die zu unsinnigen Preisen oder überhaupt auf
spekulativer Basis erstanden sind.
Gebt zu den bevorstehenden Auktionen Limite, die um mindestens 4 Mk.
niedriger sind, als die auf den letzten Versteigerungen gezahlten Preise.
Wie verlautet, wollen übrigens die maßgebenden Fabrikanten Deutschlands
in dieser Woche eine Zusammenkunft abhalten und über Mittel und Wege beraten,
wie der augenblicklichen, unhaltbaren Lage zu begegnen ist. Mögen sie ihren Beratungen
die vorstehenden Punkte als Tagesordnung unterstellen und ihre Beschlüsse in diesem
Sinne fassen, ich bin fest überzeugt, daß nach aufrichtiger Durchführung derartiger
Maßnahmen in kurzer Zeit wieder normale Verhältnisse in unserer Branche einkehren,
die unserer mühsamen, mit großem Risiko verbundenen Arbeit einen, wenn auch nur
bescheidenen Lohn gewährleisten.“
Einige Tage darauf fand in Kassel eine Versammlung der
Fabrikanten statt, über deren Resultat das Folgende berichtet wurde ®):
Die Lederindustrie, vom 24. März 10914.
3 Die Lederindustrie, vom 31. März 10914.
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